07.01.2015

Gewerbe

Reminiszenz an Gebautes und Ungebautes

von Andreas Gottlieb Hempel

Das Bankgebäude im Südtiroler Ort Lana wandelte sich von einer Collage aus mehreren Umbauplanungen des Bestands schließlich zu einem Neubau aus einem Guss. Sowohl der Vorgängerbau als auch die Zwischenlösungen scheinen bei genauem Hinsehen noch durch und verhelfen dem Bau zu seiner tiefgründigen Gestalt.

Bestandsgebäude
Der Vorstandssaal als frei geformtes Oval
Die Schalterhalle im Erdgeschoss

Thomas Höller und Georg Klotzner stand eine ganz besondere Aufgabe bevor. Ihr Lehrer Othmar Barth, der Nestor der Südtiroler Architektenschaft, sollte 2005 die Raiffeisenkasse Lana erweitern. Die Bauherrschaft wollte das Gebäude von 1961, das schon mehrmals umgebaut worden war, erhalten und weiter nutzen, allerdings ergaben die Planungsvorschläge eine Art Patchwork mit großen Funktions- und Technikproblemen.

2009 erkrankte der damals 82-jährige Othmar Barth schwer und empfahl für die weitere Durchführung seine einstigen Studenten Höller und Klotzner, die sich mit bemerkenswerten Bauten bereits einen guten Namen gemacht hatten. Die Schüler analysierten Barths collagenhaften Entwurf und überzeugten ihre Auftraggeber, dass nur ein Neubau die räumlichen, funktionalen und technischen Ansprüche der Bank lösen konnte.

Höller & Klotzner übernahmen dennoch Grundzüge der Planung ihres Mentors und bauten auf den Untergeschossen weiter, mit denen bereits begonnen worden war. Außerdem griffen sie die vertikale Haupterschließung mit einer repräsentativen Wendeltreppe auf sowie den glasüberdeckten Innenhof. In ihrem streng kubischen Entwurf erinnern sie zudem durch Fassadeneinschnitte an die anfänglichen Gestaltungsgedanken Othmar Barths.

„Schöpferische Zerstörung“– mehr über das Bankgebäude in Lana im Baumeister 1/2015.

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