Arlberg-Komfort

 

Seit Jahrhunderten stellt man Häuser im Gebirge auf gemauerte Sockel, um das Holz vor Boden-Nässe zu schützen. Das Fundament der Gegenwart ist Beton – wie auch bei der Skihütte Wolf von Bernardo Bader Architekt.

Das Dach als fünfte Fassade

Ein weiteres typisch-alpines Gestaltungselement der Hütte ist die Ausführung in heimischem Fichtenholz. Auch hier galt der Ansatz, den Bau vor der Witterung zu schützen: Die sägerauen Fichtenlatten wurden vertikal an Außenwänden und Schiebetüren angebracht, sodass Wasser leichter abrinnen kann.

Die vertikale Struktur geht direkt in das Dach über, welches ebenso aus Fichte besteht. „Die Hütte ist auch von oben gut einsehbar. Daher war es wichtig, dass das Dach als fünfte und größte Fassade mit besonderem Augenmerk bedacht wird“, erklärt Bernardo Bader. Zwischen beiden „Fassaden“ verläuft eine Kastenrinne aus Kupferblech, das Dach ist doppelt gedeckt. „Hier ist es kalt, aber trocken. Das Holz am Dach wird 15 bis 20 Jahre halten.“

Wind, Höhensonne und Alpenpanorama

Am Petersboden auf 2.000 Höhenmetern tobt sich das Wetter voll aus: Zwei Meter Schnee, frostige Winde und die Höhensonne bespielen das Rundum-Panorama aus weißen Gipfeln nach Lust und Laune. Daher war die Platzierung des Baukörpers eine wesentliche Frage. „Wir wollten das Gelände nicht verändern und haben lange nach der richtigen Stelle gesucht“, erklären die Architekten.

Schließlich fand die Hütte ihren Platz an einem natürlichen Plateau im Hang. Im Winter ist „Der Wolf“ nur über den Sessellift, mit Skiern oder Schneeschuhen erreichbar – im Sommer auch über den Grosserben-Alpweg.

Die Hütte empfängt Besucher über eine L-förmige Terrasse, welche von Morgen- und am Abendsonne beschienen wird. Im Südosten zieht es vom Berg etwas stärker, daher hält eine Holzbrüstung den Wind ab. Bei ganz starker Kälte werden die Tische an die Wand gerückt – damit der Blick auf Kriegerhorn, Trittkopf und Rüfikopf genießbar bleibt.

Die Wolf-Bar

Die beiden Stuben sind puristisch gehalten: Eckbänke und Tischen bestehen aus unbehandelter Esche; Boden, Wand und Decke aus Fichte sollen eine helle, freundliche Stimmung erzeugen. Akzente setzen die Sichtbeton-Kamine. Insgesamt liegt der Fokus aber auf dem Panorama, welches über ein jeweils fünf Meter langes Fenster in Szene gesetzt wird.

Stärker nach innen konzentriert ist die Bar. Sie befindet sich unter einem „steilen, feierlichen Zeltdach“, wie die Architekten beschreiben. „Das ist wie der Heustadel meines Großvaters, zwischen dessen Brettern das Licht durchschimmerte“, verrät Bader seine Inspirationsquelle.

Was man bei der Schlichtheit des Entwurfs nicht vermuten würde: Die elektrische Schiebetür zur Terrasse öffnet sich automatisch. Ein wenig Arlberg-Komfort muss schließlich auch sein.

Fotos: Adolf Bereuter