Singapur, Hotel Marina Bay Sands

Das Wort „spektakulär“ ist selten angebracht in der Architektur. Beim Hotel Marina Bay Sands machen wir eine Ausnahme: Denn das Büro Moshe Safdie hat dem ganzen Stadtstaat Singapur ein Markenzeichen gebaut. Singapur ist eine Metropole, mit der man bisher kein architektonisches Bild verbunden hat – weder eine Skyline wie in Hongkong noch eine Uferpromenade wie in Schanghai und auch kein Opernhaus wie in Sydney. Die „Schweiz Asiens“ gilt zwar als wohlhabend, aber auch  als langweilig. Dies soll sich ändern, und das Marina Bay Sands-Hotel, auf gewonnenem Land aus dem Meer errichtet, wird als neues Signé eines dynamischeren Images gesehen.

Das Hotelensemble ist zudem Sinnbild des neuen Stadtviertels um die Marina Bay und ein gewaltiger Klimmzug über der Skyline: Mit drei Hoteltürmen von 200 Metern Höhe und einem Dachgarten von einem Hektar Größe, der die Türme verbindet, wachsen die Ambitionen in den Himmel. Es gibt 2.560 Zimmer, mehrere Fitnessräume, Spas, Restaurants und den „Sky Park“ von 340 Metern Länge, der mit exotischen Pflanzen begrünt ist. Jeder der drei Türme spreizt sich nach unten in je zwei Scheiben auf und flankiert so eine zentrale Achse. Diese öffentlich zugängliche Lobby führt zu Geschäften, Restaurants, Kasino, Theater, Messe- und Veranstaltungskomplex, einer mehrgeschossigen Luxus-Shopping-Mall und dem ArtScience-Museum in Form einer Lotosblüte. Auch ein „Kunstpfad“ fehlt nicht: Zu sehen sind sieben Installationen von fünf Künstlern, darunter Sol Lewitt, Antony Gormley und Zheng Chongbin, die auf Licht, Wasser und Wind Bezug nehmen. Schließlich gehört zum Resort auch ein Kasino mit über 600 Tischen und 1.500 Einarmigen Banditen.

Doch die Hauptattraktion ist der Sky Park, der wie ein Surfbrett über den Wellen 65 Meter weit frei auskragend über den Nordturm hinausschießt. Von unten gesehen, wirken seine Palmen winzig und dienen so als Größenmaßstab, der die gewaltigen Dimensionen des Gebäudes erst richtig erkennbar macht. Auch wer nicht im Haus logiert, ist zum Aperitif auf dem Deck oder in einem der Restaurants hier oben willkommen. Nur der „Infinity-Pool“ mit seinen gläsernen Überlaufkanten – natürlich der längste der Welt – bleibt exklusiv den Hotelgästen vorbehalten.

Der Ausblick ist auch die Attraktion in den Hotelzimmern: je höher, desto imposanter – und teurer. Doch die architektonischen Ambitionen bleiben hier deutlich hinter denen der Großskulptur und der öffentlicheren Bereiche zurück. Tragwerks-, Leitungs- und Schachtumkleidungen treten unvermittelt aus Wänden und Decken hervor, auch ein Tribut an das komplexe Tragwerk der konkav geformten Fassaden. Doch wen, außer Architekten, stört schon eine unruhige Haustechniklandschaft, wenn der Blick hinaus über die Bay und den nächtlich beleuchteten Central Business District davon so überzeugend ablenkt.

Adresse

Marina Bay Sands
10 Bayfront Avenue
Singapur 018956
www.marinabaysands.com