Berlin, Hotel nhow

Karim Rashid verbindet rosarote Barbieträume mit exklusivem Design. Jedermanns Sache ist das nicht. Im Hausprospekt heißt es, hier an der Spree liege das Epizentrum der Musik, der Mode und kreativen Szene – und mittendrin eben dieses neue Lifestyle-Hotel. Da könne man dem weltläufigen Jetset, den Partylöwen und heißesten Bands gar nicht entkommen, dröhnt die Werbung weiter. Aber wenn man von der S-Bahn entlang der lauten, schäbigen Straßen sein Ziel sucht, ist man sich nicht sicher, ob man nicht doch in Herne oder Bottrop ausgestiegen ist. Dette is Berlin. Ost.

Das große Hotelgebäude neben dem alten restaurierten Spreespeicher nimmt dessen Maßstab auf, ein breit lagernder Block mit reliefartig strukturierter Ziegelfassade, der sich über einer Terrasse dreifach zum Wasser schiebt und als Aperçu ein kippeliges Dachgeschoss bietet. Das kragt 21 Meter weit ins Leere und hat eine verspiegelte Unterseite. Wenn man in einem Zimmer darunter aufwacht, spürt man sofort einen schlimmen Kater, weil die Spree mit ihren Speichern jetzt sehr hoch, seitenverkehrt und verzerrt ins Bild kommt. Dieses äußere Gehäuse stammt von nps tchoban voss und könnte auch soliden Hotelstandard umschließen.

Was der Betreiber aber vor allem gesucht hat, waren die Einfälle des New Yorker Designers Karim Rashid. Der hat ein Füllhorn an schriller Ausstattung in den Backsteinkasten gekippt, den er unter Digipop, Blobject, Infosthetic und ähnlicher Techno-Semantik verschwurbelt. Ade, Gute Form! Zu beschreiben, wie sich diese pastellfarbigen erstarrten Weichteile als Einbauten nützlich machen, würde den Platz dieser Rubrik sprengen. Denken Sie an eine Parfümerie, einen Sexshop für Frauen und Baby-Walz. In 3D führt das im Foyer zu einem amöbenartigen Portaltresen, aus dem dezent kostümierte, sehr freundliche Damen herausschauen und einem weiterhelfen. Auch das delikate Frühstücksbüffet wird in so einem himbeerfarbenen Plaste-Gedärm präsentiert. Silberne Sitzmuscheln an der Bar, kissenähnliche Polster und ein glänzender Plafond wie ein Straußeneierkarton definieren den Lümmelort, an dem samstags die Musik spielt.

Das gehört zum Konzept. Musik kann man hören und selber spielen auf Keyboards oder Gibson-Gitarren, die man sich ausleihen kann. Im Dachgeschoss sind zwei professionelle Studios eingerichtet. Was aber nicht heißt, dass man an der Bar neben Rihanna oder Beyoncé sitzt. Hier genießen auch Vertreter nach der Messe ihre kulturelle Berlin-Zulage. Die Zimmer sind sehr solide und gut ausgestattet. Im Superior-Bad könnte man Rollstuhlrennen fahren, arbeiten an dem Tischchen auf abwaschbaren Polstergestellen dagegen weniger. Das Fernsehen steckt hinter einer Spiegelschliere, das Bett ist hoch und sicher gesund. Nur die allgegenwärtigen Muster, die an ein Pausenzeichen der frühen ARD erinnern, machen einen krank.

Adresse

Hotel nhow Berlin
Stralauer Allee 3
10245 Berlin
www.nhow-hotels.com