Wien, Hotel Topazz

Zwei Ecken vom Stephansdom entfernt haben BWM Architekten Design in Schwarz und Gold mit Klimabewusstsein verbunden. Und das soll umweltbewusste Architektur sein? Die funkelnde schwarze Fassade des Wiener Hotels Topazz mit ihren unzähligen Mosaiksteinchen und den ovalen Fenstern sieht eher nach viel Schnickschnack und gediegener Verschwendung aus. Das Umfeld, in dem ich meinen Marillenröster löffle, vermittelt jedenfalls nicht die Atmosphäre einer Ökobude. Umso überraschender das so gar nicht dekadente Frühstücksbuffet. Dass ich beim Frühstück auf weit gereiste Ananas, Teesorten und 13 experimentelle Marmeladevarianten verzichten muss, kann ich gut verschmerzen. Soweit möglich, werden im Niedrigenergiehaus Bio-Produkte aus der Umgebung verwendet und die Speisen selbst zubereitet.

Die Fassade des Topazz (BWM Architekten) ließ den für den Innenraum zuständigen Michael Manzenreiter an eine Vase von Kolo Moser denken und animierte ihn, im Inneren das Wien vom Anfang des 20. Jahrhunderts neu zu beleben. Das Design orientiert sich dementsprechend an Entwürfen der Wiener Werkstätte, die der Innenarchitekt größtenteils frei adaptiert hat. Messinglampen standen Pate; ein goldenes Wellenmuster zieht sich durch den Frühstückssalon. Es soll an Otto Wagner erinnern. Silberne Nieten zieren Türen, Sessel und Fensterbänke und tun das Übrige an Assoziation. Nur wenige Stücke und Muster gehen auf konkrete Vorbilder zurück: Die Rosen etwa, die sich an den Wänden der Zimmer ranken, hat einst tatsächlich Kolo Moser entworfen. Dank des dezenten Cappuccinotons erschlägt die flächenfüllende Schablonenmalerei nicht. Die Wandverkleidungen aus gebeiztem Kirschholz am Bettende und die ebenso dunklen Möbel und schweren Vorhänge in meinen fünfzehn Quadratmetern haben dazu eher das Potenzial.

Außen ist die Mischung aus Extravaganz und Düsternis ähnlich. Gut, durch die hab ich‘s auf Anhieb gefunden. Das schlanke Eckhaus ist ein Neubau in unmittelbarer Nähe zu Stephansdom und Gebäuden aus verschiedenen Epochen. Seine schwarze Fassade fügt sich nicht unbedingt harmonisch in die dichte und helle Bebauung – auch wenn die Geschossdifferenz zu den Nachbarn anhand der variabel verteilten Fenster nicht abgezählt werden kann. Laut Prospekt öffnen die sich „wie Augen in die Stadt“. Nun ja, auf einen unvergesslichen Ausblick sollte der Gast nicht spekulieren. Denn wenn man nicht gerade das Penthouse im neunten Obergeschoss bewohnt, schaut man nicht auf den Dom, sondern erblickt entweder die Baustelle gegenüber (dort entsteht ein neues Lenikus-Hotel) oder ein Geschäftshaus. Das gewährt so tiefe Einblicke, dass sich die Rechtsanwälte, die dort arbeiten, hoffentlich schon über Spionageschutz Gedanken gemacht haben.

Diese Intimität macht mein Zimmer leider auch nicht heller. Sogar die Auslage des Buchladens im Erdgeschoss kann ich problemlos studieren. Und was liegt da? „Wiener Werkstätte“ von Gabriele Fahr-Becker.

Adresse

Hotel Topazz
Lichtensteg 3
1010 Wien
www.hoteltopazz.com