25.02.2022

Event

Neue Schausammlung des Architekturzentrums Wien

Die neue Schausammlung "Hot Questions – Cold Storage"

Die neue Schausammlung “Hot Questions – Cold Storage”

Nach knapp 20 Jahren hat das Architekturzentrum Wien (Az W) seine Schausammlung neu konzipiert. Sie ersetzt die „a_schau“, eine chronologische Erzählung des österreichischen Baugeschehens und ist ganz bewusst in der Gegenwart verortet: Im Zentrum stehen Fragen wie “Wer macht Stadt?” und „Wie wollen wir leben?“

„Was kann Architektur?“ – diese Frage beschäftigt das Architekturzentrum Wien (Az W) seit Langem. Aus allen möglichen Blickwinkeln beleuchtet, liegt sie jetzt auch der neuen Schausammlung „Hot Questions – Cold Storage“ zugrunde. Doch anders als in der 2004 eröffneten „a_schau“ setzt man nun nicht mehr auf eine chronologische Gesamterzählung des österreichischen Baugeschehens des 20. und 21. Jahrhunderts.

 

Foto: Lisa Rastl

Viele Objekte sind erstmals zu sehen

 

Jedem Ausstellungskapitel ist eine „brennende Frage“ unserer Gegenwart vorangestellt, von den Auswirkungen der Globalisierung auf unsere Städte und Dörfer über die Fragen „Wie wollen wir leben?“ und „Wer macht Stadt?“ bis zum Beitrag, den Architektur für unser Überleben auf diesem Planeten leisten kann. Antworten dazu liefern die über 400 Exponate aus dem „Cold Storage“. Sie entsprechen etwa einem Prozent der Schätze aus dem AzW-Depot im niederösterreichischen Möllersdorf. Viele Originalobjekte sind in der neuen Schausammlung jetzt erstmals zu sehen, weil der Bestand in den vergangenen 17 Jahren auf über 100 Vor- und Nachlässe sowie umfangreiche Projektsammlungen angewachsen ist.

 

Foto: Lisa Rastl

Burgenländischer Brutalismus und mehr

 

Modelle, Zeichnungen, Möbel, Textilien, Archivalien und Filme bilden eine Erzählung aus vielen Perspektiven. Das österreichische Baugeschehen mit seinen kulturellen, sozialen, politischen, ökonomischen und technischen Implikationen wird sichtbar gemacht. Schließlich sei der Architekturbegriff „multiperspektivisch“ und schließe Sozialgeschichte, Politik und Wirtschaft ganz selbstverständlich mit ein, erklärt AzW-Direktorin Angelika Fitz: „Kulturgeschichte im weitesten Sinn“. Das Spektrum der Schausammlung reicht vom Roten Wien über architektonisch-pädagogische Experimente der 1968er, den baukünstlerischen Revolten in Vorarlberg oder burgenländischen Brutalismus bis hin zu historischen und aktuellen Beispielen für ein ökologisches Umdenken.

 

Foto: Lisa Rastl

Handlungsoptionen für die Zukunft

 

Die Schausammlung befragt den Kanon der österreichischen Architekturgeschichte nicht zuletzt aus Sicht einer gendergerechten Perspektive. Wo waren die Architektinnen?, fragt Co-Kuratorin Monika Platzer. Und wieso spielten sie solange keine Rolle? Denn immerhin waren schon 1938 waren über 200 Studentinnen an österreichischen Ausbildungsstellen eingeschrieben, aber erst sehr spät – im Jahr 1996 – erhielt die erste Frau (die im Iran geborene französisch-britische Architektin Nasrine Seraji) eine Architektur-Professur in Wien.

„Heute verfügen wir über neue Erkenntnisse und stellen uns andere Forschungsfragen in den Bereichen Klima und Politik, oder der Genderthematik. Wir verstehen uns als Museum und sind bewusst abgegangen von den bisher üblichen Projektpräsentationen“, erläutert Monika Platzer weiter. „Jetzt ist es ein Ineinanderfließen von Objekten. Um Architektur zu vermitteln, muss man nicht mehr jedes Projekt durchdeklinieren. Heute geht’s nicht mehr um den einen Blick, sondern um Blicke auf das Gebaute oder Geplante. Das ist ein großer Unterschied.“ Mit dem Blick in die Vergangenheit sollen sich Besucherinnnen und Besucher inspiriert werden und sich im besten Fall Handlungsoptionen für die Zukunft erschließen.

 

Foto: Lisa Rastl

Die Schausammlung ist kein White Cube

 

Eingebettet ist die Schausammlung in die poppige Ausstellungsarchitektur der Kreativ-Studios Büros „Tracing Spaces“ und „seite zwei“. Die Szenografen inszenierten hier ein begehbares Archiv. Highlight ist der knallig orangefarbene Pater-Noster, der die Architektur-Modelle präsentiert. „Wir mischen uns hier in die Architekturgeschichte ein und können dabei keine neutrale Position einnehmen“, weiß AzW-Chefin Angelika Fitz. „Deshalb ist die Ausstellung auch kein White Cube. Wir wollten nicht einfach Objekte hinstellen, sondern sie befragen und zum Leben erwecken.“

Tipp: Durch die neue Schausammlung des Architekturzentrums Wien führen Angelika Fitz und Monika Platzer, wie Sie hier im Video sehen.

Ein Porträt von Angelika Fitz lesen Sie in der BAUMEISTER-Ausgabe 2/2017. Außerdem bezieht Angelika Fitz Position zur nachhaltigen Stadtentwicklung (Boden für Alle) im Magazin „52 Thesen“ unserer Schwestern-Zeitschrift Garten + Landschaft.

Hot Questions – Cold Storage
täglich 10:00–19:00
Ausstellungshalle 1 im Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
www.azw.at

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