Ritoque, La Ritoqueña

Kleines Budget, kleine Unterkunft: Das La Ritoqueña in Chile lässt seine Gäste zusammenrücken – im Gemeinschaftsbereich mit den Hotelbetreibern oder im Badezimmer mit anderen Gästen.

Die Betreiber des „La Ritoqueña“ wohnen nicht nur in ihrem Hotel, sondern haben dieses auch im Selbstbau errichtet. Das Paar kannte die Architekten aus ihrer Bauingenieurstudienzeit, die sie für den Entwurf beauftragten: Alejandro Soffia und Gabriel Rudolphy. Bei der Zusammenarbeit gab es vor allem eine Vorgabe – ein knappes Budget. Aus diesem Grund erstellten die Architekten einen Konstruktionskatalog auf Basis lokaler Bauweisen. Mit dem daraus hervorgehenden System konnten beispielsweise schon beim Transport Kosten gespart werden. Der zweite Schritt bestand darin, den Entwurf entlang eines Achsmaßes von 3,2 Metern zu erarbeiten – die häufigste Holzlänge für das verwendete Kiefernholz, das aus der Region stammt. Das ersparte Verschnitt, Zeit und somit nochmals Geld.

Das Ergebnis ist eine 183 Quadratmeter große Anlage, bestehend aus fünf Kuben, die mittels Stelzen auf die Steillage am Hang reagieren. Drei der Häuser beherbergen die Gästezimmer, im südlichen Teil befindet sich ein kleines Apartment für die Besitzer. Ein Gemeinschaftsbereich, den sich Gäste und die Betreiberfamilie teilen, dient als volumetrische Pufferzone. Für diese Räume verwendeten die Architekten das doppelte Achsmaß, schlossen also zwei Volumen zu einem von 6,4 Metern Breite zusammen. Ablesbar ist das an einem Höhenversatz, den man von außen sieht und der im Innenraum mit einer Stufe das Wohn- vom Esszimmer sowie die Dachterrasse in zwei Bereiche teilt.

Hier entsteht eine wunderbar familiäre Atmosphäre – „Como te llamas?“, fragt der umherspazierende dreijährige Sohn die Hotelgäste beim Frühstück. Die Eltern des Kindes spricht man mit Diego und Dayenu an. Sie bereiten das Frühstück vor; wie in den meisten chilenischen Unterkünften ist es zwar nicht üppig, im La Ritoqueña aber von sehr hoher Qualität: Es gibt Kaffee, für jeden Besucher dampfend heiß in einer Kanne serviert, frisch gepressten Orangensaft – die Orangen in Chile sind unschlagbar –, hausgemachte Ananas-Marmelade und Rührei. Das Brot bleibt die ganze Zeit über warm, dank eines verschließbaren Körbchens.

Wer im Anschluss lieber wieder für sich sein möchte, zieht sich auf sein Zimmer zurück; auch hier kann man als Alternative zur Gemeinschafts-Dachterrasse vom Balkon aufs Meer sehen, denn alle sechs Räume der drei Hotelkuben sind aufs Wasser gerichtet. Innerhalb eines „Hauses“ befinden sich zwei Gästezimmer, das Badezimmer liegt im Zwischengeschoss, und man teilt es sich mit seinem Nachbarn. Wenn man Glück hat, ist das Hotel nicht ausgebucht – dann quartieren Diego und Dayenu ihre Gäste in separate Häuser ein, und man hat das Bad für sich.
Ein Aufenthalt im La Ritoqueña lohnt sich wegen der persönlichen Atmosphäre, die dadurch entsteht, dass das Hotel so klein ist. Aber auch die Natur ist nicht zu verachten: Der in Holz ausgekleidete Innenraum bildet zusammen mit dem Balkon den Rahmen für den Ausblick auf die große Bucht von Ritoque, hinter der sich ein kleiner Wald, Dünen und die Berge schichten – eine bezaubernde Landschaft.

Da man hier, etwa 200 Kilometer nördlich von Santiago, nicht viel Ausgehprogramm hat und ohne Mietwagen nur schwer von A nach B kommt, bietet das Hotel Mittag- und Abendessen an. Außerdem kann man durch die Dünen reiten, eine Yogastunde am Strand machen oder kostenlos über die Felsen spazieren – einige Meter weiter befindet sich eine kleine Bucht mit glasklarem Wasser und strahlend weißem Muschelstrand. Wegbeschreibung: immer den am meisten abgetreten Pfad entlang.

Adresse

La Ritoqueña – Hotel de Playa
Playa Ritoque
Quintero
Region Valparaíso
Chile

Fotos: Felipe Fontecilla