Reutte, Alpenhotel Ammerwald

Gleich von welcher Seite man sich dem im Wald verborgenen Hotel nähert, man passiert eine Landschaft, die von einer Architektur mit regionalem Stallgeruch nur so dampft. Und dann das! Eine silberglänzende Rasterfassade im aktuellen Barcode-Look! Könnte ein Büro sein oder ein Institut der forstwirtschaftlichen Fakultät.

Gemach. Im Grunde entspricht das Haus den traditionellen Bauprinzipien in den Alpen: Es steht auf einem massiven Sockel (hier Beton), ist ganz aus Holz gefertigt und hat kleine Fenster, die dem Prinzip der Herstellung entsprechen. Man könnte einen abstrakten Regionalismus darin ausmachen, und wenn man das Haus bei unterschiedlichem Sonnenstand betrachtet, die Nirostablech-Fassade silbern, weiß, schwarz, golden oder blau changiert, dann kann man sogar lyrische Momente entdecken.

Das vor drei Jahren eröffnete Hotel gehört der BMW Group und ersetzt einen marode gewordenen Vorgängerbau, den das Unternehmen schon seit 1942 als Tagungshaus betrieben hat. Ein Wettbewerb bescherte Oskar Leo Kauffmann und Albert Rüf den Auftrag. Das Besondere ist die modulare Fertigung der aus Brettschichtholz montierten Raumzellen, die komplett vorfabriziert inklusive Bett und Sanitärobjekten über der zweigeschossigen Basis gestapelt wurden.

Als lauter gleiche Zimmer, äußerst sinnvoll organisiert, wie man es nur von einem Architekten erwarten darf, der sich funktionalistischer Plausibilität verpflichtet. Zwei schmale Fenster für den Schlafraum, eins für das Bad, das leuchtet ein, wenngleich man als Gast auch gerne aus einer größeren Öffnung in die wunderbare Landschaft schauen möchte, zumal der Leuchtdichtekontrast bei starker Sonne etwas stört. Auch statt eines Balkons nur die Konstruktionstiefe der Fassade als Austritt zur Verfügung zu haben, ist eine Kondition, die sich aus der Fertigung herleitet. Andererseits ist ein Tagungshotel mit einer kompletten Seminaretage nicht in erster Linie für Urlauber gedacht.

Innen nimmt man die vielen Äste der kreuzweise verleimten Kreuzlagenholzelemente in Kauf – warum nicht, andere tackern sich ihren Bungalow mit Brettern zu, damit es gemütlich wird. Das Holz im Bad ist lediglich mit einer weißlichen Schutzbeschichtung behandelt, das sieht gut aus. Allein diesen Unsinn, dass man bei allen Verrichtungen der akustischen Zeugenschaft seines Partners ausgeliefert ist, sollte man nicht zur Regel werden lassen. Eine massive Tür ist auf jeden Fall angenehmer als eine elegante Glasabtrennung.

Im zur Hangseite natürlich belichteten Untergeschoss gibt es ein kleines Hallenbad, Sauna und Krafttrainingsgeräte, die Nutzung als Familienhotel ist also vorgesehen, man trifft nicht nur Manager beim Produktentwicklungsworkshop. Und auch die Preise sind sehr manierlich, für externe Gäste ist das Doppelzimmer nur 10 Euro teurer.

Nicht überzeugend ist die Beleuchtung in den Restaurants und im Foyer gelöst, weder mag man die Lampen gerne ansehen, noch geben sie das richtige Licht, wo man es braucht. Wichtig wäre, dem Pächter etwas die Hand zu führen. Das bis ins Detail sehr passabel und überzeugend gebaute Haus zeigt leider schon Spuren dekorativer Verramschung. Man sollte nicht ohne den Architekten Kleinmöbel, Blumengestecke, Lichterketten und Kinderspielkram anschaffen. Falls das Haus den Gästen zu nüchtern wirkt – was es ja gerade auszeichnet –, dann gibt es dafür geschmackvollere Lösungen.

Adresse

Alpenhotel Ammerwald
Ammerwald 1
6600 Reutte/Tirol
Österreich
www.ammerwald.

Fotos: BMW AG