Ein Haus der Begegnung von Renzo Piano

Im Schutz des Holzhauses sollen künftig weibliche Häftlinge ihre Angehörigen wiedersehen. Renzo Pianos Projekt am Rande von Rom besticht durch klare Linien und eine auffällige Loggia.

Versteckt zwischen Bäumen und Mauer, steht es da, das Projekt „Ma.Ma. Modulo per l’Affettività e la Maternità“, was übersetzt soviel bedeutet wie “Modul für mütterliche Zuneigung”. Das Gebäude von Renzo Piano steht auf dem Gelände eines Gefängnis am nordöstlichen Stadtrand von Rom.

28 Quadratmeter für Wohnen, Kochen und Essen

Derzeit zählt das Frauengefängnis Rebibbia etwa 320 Insassinnen. Durch eine 800 Meter lange Mauer ist das Gefängnisareal von der angrenzenden Bebauung separiert. Dahinter führen die Frauen ein Leben in Isolation. Infolge des Mangels an Einrichtungen für Frauen in der Region, sitzen viele von ihnen ihre Strafe fernab ihrer gewohnten Umgebung ab. Deshalb sind sie viele Kilometer von ihrer Heimat entfernt. So sehen sie ihre Familien selten, verlieren oftmals den Anschluss und spielen im Familiengefüge kaum mehr eine Rolle. Das terracottafarbene Holzhaus, ein Prototyp des Justizministeriums, soll das künftig ändern: Hier, im Schutz des Satteldachs, soll ein Ort entstehen, an dem sich weibliche Häftlinge – Mütter, Tanten, Töchter und Schwestern – in intimer Atmosphäre mit ihren Angehörigen treffen können, reden, zusammen sein, kochen. Dabei ist kein anonymer, überwachter Treffpunkt das Ziel, sondern ein Raum, der die häuslichen Dimensionen nachbildet und das ungestörte Miteinander fördert.

Advertorial Artikel

Parallax Article

Fotos: Alessandro Lana@G124

Aus diesem Grund orientierte sich RPBW am Archetyp Wohnhaus und versammelt alle Räume des Gebäudes unter einem Satteldach. Durch seine ikonische Form verweist es auf die traditionellen Bilder von Zuhause. Über eine ausgeschnittene Loggia, einen geschützten Eingangsbereich, betritt man den einzigen Innenraum. Der 28 Quadratmeter große Wohnraum umfasst die Funktionen Wohnen, Kochen und Essen in einem Volumen.

Renzo Piano transformiert italienische Stadtränder

Außen orangerot, innen hölzern: Die Farbigkeit des Hauses wirkt anziehend und zugleich identitätsstiftend. Dadurch bringt es Farbe und Leben in den tristen Alltag der Gefängnisinsassen. Das Gebäudeinnere ist wiederum stark von der Materialität Holz geprägt. So bestehen die tragenden Element, die Wände und Decken sowie die Möbel aus Holz. Die organische Holzmaserung verleiht dem Haus der Begegnung eine warme Atmosphäre. Die vorgefertigten Holzelemente wurden in der Schreinerei des Gefängnisses gefertigt. Anschließend baute der Schreinermeister zusammen mit inhaftierten Frauen das Haus zusammen.

2013 wurde Renzo Piano, der Initiator des Projekts, vom italienischen Staatspräsidenten zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Seitdem nutzt der Architekt das Amt für seine Herzensprojekte. Piano ist fasziniert von den Peripherie italienischer Städte. So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, ebendiese durch punktuelle Interventionen aufzuwerten bzw. zu transformieren. Dies geschieht im übertragenen Sinne auch bei dem Projekt Ma.Ma., wo Frauen, die am Rand der Gesellschaft leben, auf behutsame Weise wieder eingegliedert werden.

Nach einem Unglück in Genua, hat der Pritzker-Preisträger Renzo Piano in seiner Heimatstadt eine 1000 Meter lange Brücke wieder aufgebaut. Das Ergebnis sehen Sie hier bei uns.