06.08.2020

Öffentlich

Polcevera-Brücke von Renzo Piano eingeweiht

von Vera Baeriswyl

Polcevera-Brücke


Zurückhaltende Gestaltung

 

Vor weniger als zwei Jahren stürzte die Morandi-Brücke in Genua ein und riss Menschen, Autos und Lastwagen in die Tiefe. Am vergangenen Montag konnte nun der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte nach nur 10 Monaten Bauzeit die neue Brücke einweihen. Entworfen hat sie ein Genuese: der Pritzker-Preisträger Renzo Piano.

Noch keine zwei Jahre ist es her, dass Teile der über 1000 Meter langen Morandi-Brücke in Genua eingestürzt sind. Bei der Tragödie am 18. August 2018 stürzten Autos und Lastwagen in die Tiefe, 43 Menschen starben. Viele Italiener empfanden den Zusammenbruch der 40 Jahre alten Brücke als Sinnbild der aktuellen Krise ihres Landes.

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Eine neue Brücke an gleicher Stelle soll Italien nun neue Hoffnung geben: Am 3. August 2020 weihte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte den Ponte Polcevera ein. Die Brücke, errichtet nach einem Entwurf des italienischen Architekten Renzo Piano, ist in Rekordzeit entstanden: Gut 1.000 Arbeiter waren im Schichtbetrieb auf der Baustelle zugange, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – auch während Corona alle anderen Baustellen im Land lahm legte. So dauerte der Wiederaufbau insgesamt nur zehn Monate.

Piano, der selbst aus Genua stammt und dort seit über 40 Jahren sein Büro betreibt, konnte sich mit seinem Entwurf unter anderem gegen Santiago Calatrava durchsetzen. Er entwarf eine „urbane Brücke“, die auf insgesamt 18 Stahlbetonpfeilern mit elliptischen Querschnitt ruht. Die Fahrbahn, die 30 Meter breit und insgesamt 1.100 Meter lang ist, soll in ihrer Form an einen flachen Schiffsrumpf erinnern.

 

Übersichtsplan der neuen Brücke von Renzo Piano © Renzo Piano
Piano bemühte sich, die Brücke nicht allzu mächtig wirken zu lassen. (Foto: Shunji Ishida)
Sie soll sich in den städtischen Kontext einfügen. (Foto: Enrico Cano)

Gedenkstätte für die Opfer

 

Form und Anordnung der Pfeiler sollen dafür sorgen, dass die Brücke im städtischen Kontext nicht allzu mächtig wirkt. Auch die hell gestrichene Fahrbahn, eine hybride Konstruktion aus Stahl und Stahlbeton, ist optisch zurückhaltend gestaltet. Gläserne Wände schützen die Fahrzeuge auf der Brücke vor Wind, ermöglichen aber weiterhin den Blick auf die umgebende Landschaft.

Unter der Brücke entstehen zur Zeit nach einem Entwurf von Stefano Boeri der Polcevera Park und der „Red Circle“ – ein gewaltiger roter Ring aus Stahl mit einem Durchmesser von 250 Metern, der unter der Polcevera-Brücke hindurchführt. Polcevera Park und „Red Circle“ gehören zu einem ganzen System aus Parks, das die beiden Seiten des Polceveratals symbolisch zusammenführen soll. Das Herzstück des Parks wird eine Installation des Künstlers Luca Viten namens „Genova nel Bosco – Genua im Wald“ werden, wo 43 Bäume an die Opfer der  Morandi-Brücken-Tragödie erinnern werden.

Luftansicht des Projektgebiets (© The Big Picture, courtesy by SBA)
Ostseite des Polcevera Parks: Sportpark und „Genua im Wald“) (© The Big Picture, courtesy by SBA)
Ostseite des Polcevera Parks: Sportpark und „Genua im Wald“) (© The Big Picture, courtesy by SBA) Masterplan (© SBA)
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