Pop-up auf dem Dach

 

„Als junges Büro braucht man einen spaßigen Namen“, sagt der eloquente und zugleich ernsthafte junge Architekt Theo Molloy von Pup Architects. Bekannt wurden sie allerdings nicht nur wegen ihres Büronamens, sondern auch mit dem H-VAC, eine Art Pavillon auf einem alten Fabrikdach in London, der die Diskussion um Lösungen für die Londoner Wohnungsnot ankurbelte.

 

Ein Paradebeispiel für Gentrifizierung: Es geht um ein paar Fabrikgebäude zwischen dem Regent’s-Kanal, einer Schule, einem ehemaligen Schwimmbad und großen Wohnblöcken im Londoner Stadtviertel Shoreditch. Als die jetzigen Eigentümer das Grundstück in den 1980er-Jahren kauften, waren die alten Hallen in der Hand von Hausbesetzern. Die Wirtschaft lag darnieder, viele Menschen hatten Job und Wohnung verloren. Die Umgebung war vermüllt, der Kanal dreckig, und es war gefährlich, dort nachts entlang zu laufen. Rund 30 Jahre später beherbergen die alten Gebäude Event-Räume, Ateliers, Studios und Galerien. Am Kanal daneben radeln reihenweise junge Leute an den bunten Hausbooten vorbei.

Glänzender Blickfang

Von diesem Uferweg aus ist der neue Aufbau auf dem flachen Fabrikdach wunderbar zu sehen. Er schimmert in einem silbernen Schuppenkleid wie eine übergroße Belüftungsanlage. Bei dem ominösen Objekt handelt es sich um den sogenannten Antepavilion; die Architekten Theo Molloy, Chloë Leen und Steve Wilkinson vom Büro Pup haben den Wettbewerb für das Gehäuse gewonnen, den die Investorengruppe Shiva Ltd. zusammen mit der gemeinnützigen „Architecture Foundation“ ausgeschrieben hat. Shiva Ltd. spendierte das Preisgeld und das Grundstück, um etwas Neues zu erfinden, um die Architektur sowohl von Funktionszwängen als auch von einschränkenden ästhetischen Normen zu befreien.

Pups Wettbewerbsentwurf nennt sich „H-VAC“ – eine Kurzform für „heating, ventilation, air-conditioning“ und kann als bewohnbarer Luftschacht beschrieben werden. Die Idee basiert auf der Überlegung, dass man, um der Londoner Wohnungsknappheit Herr zu werden, auf den Dächern bestehender Gebäude bauen könnte. Das haben sie hier in einer sehr spielerischen Weise umgesetzt.

Silberne Schlange

Erst aus der Nähe ist zu erkennen, dass das Schuppenkleid nicht aus Metall besteht, sondern weich, fast textil wirkt. Denn ein Kriterium des Wettbewerbs lautete, dass die Architekten den Pavillon selbst günstig bauen sollten. Pup gelang dies mit einer einfachen Holzkonstruktion und einer Verkleidung aus Tetrapak-Material. Übrig gebliebene Rollen von Eisteeverpackungen, die ansonsten im Müll gelandet wären, wurden zugeschnitten, gefaltet und angenagelt.

Die Architekten haben den Pavillon zusammen mit einem Zimmerer und einem Team von freiwilligen Helfern – ihren Studenten aus Oxford – in kurzer Zeit aufgebaut. Das Holzgerüst wurde unten in der Halle gefertigt und in Stücken auf dem Dach montiert. Es besteht aus einem zen-tralen Turm, an den sich der Zugang und die Treppe anschließt. Die Rundungen bestehen aus selbstlaminierten Balken, und das Ganze wurde mit einer Lattung ver-sehen.

Fotos: Jim Stephenson

 

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