Patrick Gartmann

Der Dämmbeton kann einem als Leichtbeton, Blähbeton, Wärmebeton oder sogar „Wohlfühlbeton“ begegnen. Der Schweizer Bauingenieur und Architekt Patrick Gartmann fühlt sich zwischen Betonwänden sogar so wohl, dass er sein Haus in Chur als Rohbau fertigte.

Was die Nackenhaare vieler Bauherren zu Berge stehen lässt, offenbart sich für Patrick Gartmann als Material der Möglichkeiten. Aber warum fallen die Meinungen zwischen Architekten und Laien in Sachen Betonästhetik so gegensätzlich aus? Gartmanns Erklärung: „Oft haben Leute den Beton im Kopf, den man im Straßenbau sieht: grau und nicht schön. Aus meiner Sicht stimmt das bedingt. Man kann die Oberflächen von Beton auf tausend verschiedene Arten gestalten: schalieren, mechanisch behandeln, sandstrahlen, waschen. Beton kann grau sein, er kann aber auch farbig sein. Theoretisch kann man damit umgehen wie ein Künstler.“

What you see is what you get

Bei der Gestaltungsfreiheit hören die Argumente pro Dämmbeton nicht auf. Der Werkstoff entfaltet sein Potenzial darin, dass ein ganzes Gebäude theoretisch ohne ein weiteres Material auskommt – in Chur verzichtet Gartmann zum Teil sogar auf Fensterprofile, indem die Glasscheibe in eine übergroße Nut in Wand und Decke läuft. Ganz zu schweigen vom Wegfall formunschöner Fensterbleche, Putz, Dämmung und Dampfsperre. 60 Zentimeter starke Wände übernehmen die Funktionen, die im klassischen Zwiebel-Wandaufbau in Konstruktion, Luft- und Dämmschicht aufgeteilt sind. Die Formel des Dämmbetons lautet also: Masse ist gleich Tragwerk ist gleich architektonischer Ausdruck. Und darum hat dieses Material auch so viel architektonische Sprengkraft: Konstruktion und Raumeindruck sind im Dämmbeton wieder vereint. Ein Haus aus einer Masse gegossen, massiv, homogen und frei formbar – welcher Architekt wünscht sich das nicht?

Mehr dazu lesen Sie im aktuellen Baumeister 9/2016

Fotos: Thomas Dix