Oslo, Hotel Grims Grenka

Viele norwegische Sagen beginnen mit der Formel: „Es gab eine Zeit, da alle Dinge sprechen konnten.“ Sie schildern Abenteuer von Trollen und übernatürlichen Wesen, die heute zu bizarren Berggipfeln oder pittoresken Felsen inmitten der wilden Natur Norwegens erstarrt sind. Und natürlich könnten sie jederzeit wieder lebendig werden.

Das neue Hotel Grims Grenka in Oslo macht sich diese Mythen auf raffinierte Weise zu eigen: Auch für Norweger klingt sein Name wie eine Gestalt aus einem Zaubermärchen. Doch er ist ein reiner Kunstbegriff – ein Name, den es nicht gibt, sondern der für das Hotel erfunden wurde.

Zu Fuß vom Bahnhof erreichbar, liegt das Grims Grenka im historischen Zentrum von Oslo. Nachts wirkt das Geschäftsviertel um die Johansgate verlassen, doch die Lage östlich des Oslofjords hat trotzdem Vorteile: Ganz nah an der neuen Oper (B7/2008, Seite 48ff), am Architekturmuseum (B5/2008, Seite 8) und zur Festung Arkershus ist die noble Unterkunft in der Kongens gate idealer Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in die Stadt.

Für Erholung vom Besichtigungsprogramm ist im Hotel Grims Grenka reichlich gesorgt: Der großzügige Rezeptionsbereich gibt sich vornehm in dunklen Farbtönen; einzelne Lichtspots setzen gezielte Akzente, etwa auf einen Orchideenstrauß, der am langen, organisch geformten Tresen aus schokoladenbraunem Mineralwerkstoff platziert ist wie ein besonders erlesenes Schmuckstück. Die Stimmung ist ruhig und gelassen – „sophisticated“ würde man im Englischen wohl sagen.

Das Interieur-Konzept der norwegischen Architektin Kristin Jarmund, die mit dem Umbau und der Ausstattung des Hotels betraut war, setzt auf eine sinnliche Atmosphäre, die traditionell nordische Elemente mit modernem, internationalem Design verbindet. In den insgesamt 42 Zimmern und 24 Suiten, viele davon sind größer als 70 Quadratmeter, sind die meisten Möbel aus Holz und in den Raum integriert.

Während in den sogenannten Winterräumen Rottöne vorherrschen, sind die „Sommerzimmer“ in Grün und Schwarz gehalten. Der kurze Eingangskorridor der Zimmer aus Eiche und Glas ist als eine Art Miniatur-Catwalk gestaltet. Wände und Teppichböden sind farbig aufeinander abgestimmt, in­direktes Licht strömt aus farbig abgesetzten Leuchtschlitzen in den Wänden, das Bett selbst scheint aus der Wand herauszuwachsen.

Nach dem obligatorischen Technikdesaster, das wohl in jedem Fünf-Sterne-Hotel die Gäste plagt, lässt sich auch die gigantische Dolby-Surround-Anlage des Flachbildschirms endlich so regeln, dass die Lautstärke auch im Bad annehmbar ist. Überhaupt das Bad: eine Kabine aus mattem Glas und Holz, die sich mit einem klaren, durchsichtigen Streifen in das Zimmer schiebt.

In den Dimensionen klein, sind die Bäder dennoch rundherum komfortable Erlebnisräume. So schimmert das Glasmosaik der Duschkabine, die natürlich fugenlos in die Eichendielen übergeht, in mattem Grün. Genau so müssen die Märchen­fjorde im Norden des Landes aussehen.

Das Frühstücksbüffet im Restaurant ist auf einem großen Tresen aus dunkler Eiche angerichtet. Aus tiefer gelegten Edelstahlbecken züngeln vereinzelt Flammen und verbreiten Lagerfeueratmosphäre. Die Gäste – vornehmlich einzelne Geschäftsreisende aus Europa – nehmen an kleinen Holztischen Platz. Fenster gibt es in dem fast ausschließlich mit Kunstlicht erhellten, langen Raum nur an der Schmalseite ganz am Ende. Auch wenn an diesem Morgen die Sonne strahlt, ist davon beim Frühstück nur wenig zu bemerken.

Viel aufregender hingegen bleibt die Dachterrasse: Mit Blick über die Stadt und frischem Fjordwind im Gesicht lässt sich der Morgen gleich viel besser an. Und der „Organic Tee“, der den Wellnessanspruch des ersten Design Hotels in Oslo unterstreicht, wird auch auf dem Dach serviert.

Adresse

First Hotel Grims Grenka
Kongens gate 5
NO – 0153 Oslo
Telefon (+47 23) 10 72 00
Fax (+47 23) 10 72 10
reservations@grimsgrenka.no
www.grimsgrenka.no