Rebell wider die Banalität – Olgiati in München

Architektur ist meist das Ergebnis einer Vielzahl unterschiedlicher Entscheidungen und Festlegungen auf verschiedenen Ebenen. Ergeben diese verschiedenen Parameter ein gewisses Gleichgewicht, entsteht – könnte man meinen – annehmbare Architektur.

Kompromisslose Architektur, radikale Inhalte

Valerio Olgiati, Sohn des Architekten Rudolf Olgiati, allerdings denkt extremer und vertritt eine besondere Haltung in der Architekturszene. Er wählt seit jeher nicht den einfachen Weg: Statt alle Anforderungen in seinen Entwurfsprozess miteinzubeziehen, beschränkt er sich auf einige, wenige Punkte. Seine Gebäude zeigen paradigmatisch, wie sich durch die Konzentration auf wesentliche Aspekte ein Entwurfsprozess radikalisieren lässt. Auf diese Weise steigert er den Ausdruck seiner Projekte und entwirft Gebäude, die eine grundlegende Aussage zur Architekturposition machen.

Reduktion auf das Wesentliche

So beispielsweise die Schule in Paspels: Der strenge Solitär aus Beton, der durch das Nachzeichnen der Topografie dynamisiert wird, besticht durch seinen archaischen Charakter. Beim gelben Haus in Flims reduzierte der Architekt das Bauwerk auf seine materielle Basis. Von weitem lässt die weiße Farbigkeit das Volumen wie eine Plastik erscheinen, von Nahem wird die Baustruktur zum Ornament. Das Wohnhaus Wollerau schließlich stellt sich als ein überdimensionaler Pavillon aus Weißbeton dar, der schwer und leicht zugleich wirkt.

Olgiati: früher – heute

Mit der Realisierung des Schulhauses in Paspel, dem „Gelben Haus“ in Flims und dem Ateliertheater Bardill in Scharans wurde Valerio Olgiati zu einer der prägnantesten Persönlichkeiten der Schweizer Gegenwartsarchitektur.
Der 1958 in Chur geborene Architekt studierte zunächst an der ETH Zürich und lebte im Anschluss einige Jahre in Los Angeles, bevor er in die Schweiz zurückkehrte und ein eigenes Büro eröffnete. Seit Jahren arbeitet Olgiati an dem Thema nicht-referenzielles Bauen. Unter diesem Begriff versteht der Schweizer eine von Vorbildern, Konventionen und politischen Bedeutungen befreite Architektur – etwas radikal Neues, das sich einzig und allein auf sich selbst bezieht.

Akademiereihe mit Olgiati

Kommenden Dienstag wird Valerio Olgiati erstmals in München referieren. Er hält in der Historischen Aula der Akademie der Bildenden Künste München im Rahmen der Akademiereihe einen Vortrag zu seinem Gesamtwerk, vor allem zu seinem privaten Refugium Villa Além im Süden Portugals.

Akademiereihe Valerio Olgiati
19. Juni 2018, 19.00 Uhr
Akademie der Bildenden Künste München, Historische Aula

BAUMEISTER ist Medienpartner der Veranstaltung.