26.02.2019

Academy Portrait

Na toll und jetzt? Opposite Office.

von Isa Fahrenholz unterstützt VON GRAPHISOFT und DER BAU 2019
Opposite Office


Heute: Opposite Office

Gerade mit dem Studium fertig – oder in den letzten Zügen – und echt. keinen. Plan., wie es weitergehen soll? An diesem Punkt waren wir alle schon. Gewöhnt, immer ein Ziel vor Augen zu haben, macht sich jetzt ein großes Fragezeichen breit. Adieu Uni, hallo Zukunftsängste. Wir haben das Gegenmittel: Junge Büros und Arbeitnehmer, die ihren eigenen Weg gehen. Wir haben sie nach ihren größten Ängsten, Inspirationen und Erfolgen gefragt. Heute stellen wir vor: Opposite Office aus München.

Opposite Office entstand 2017 im norwegischen Eis als Benedikt Hartl zusammen mit einem Freund Zelten und Ski fahren war. Davor hatte er bei unterschiedlichen Büros gearbeitet, den letzten Job allerdings gekündigt und sich in die eisige Kälte verabschiedet. Aus der Skepsis gegenüber der Architektur einerseits und seiner Leidenschaft für ebendiese wuchs die Idee für das Opposite Office: Etwas mit Architektur zu machen, nur eben anders. Als selbstständiger Architekt genießender nun die Zeit für den Entwurf und die Experimentierfreudigkeit. In den letzten Monaten war Opposite Office besonders mit einem Projekt medial vertreten: dem Entwurf für den Umbau des Buckingham Palace.

Opposite Office besteht aus Benedikt Hartl
und Thomas Haseneder

 

Was macht Euch sprachlos?
Wir leben in Zeiten, in denen relativ viel sprachlos macht: eine Mauer zu Mexiko, der Brexit. Aber auch bei uns in Deutschland verschlägt es einem manchmal die Sprache: Erfolgsprämie für erfolglose Manager, Schummelsoftware, Polizeiaufgabengesetz, explodierende Mietpreise …

Und in der Architektur?
Nachdem vieles, was in der Welt passiert, nicht mal Satire übertreffen kann, schlägt sich die Architektur eigentlich gar nicht so schlecht: Brandschutz beim Berliner Flughafen, Kostenexplosion und Akustik in der Elbphilharmonie, Eidechsen, Juchtenkäfer & Lügen bei Stuttgart 21 und preußischer Glanz und Gloria im Berliner Stadtschloss – geschenkt!

Was bricht Euch das Herz?
Zwar hat der Architekt Cedric Price, einmal einem Paar zu einer Scheidung, statt zu einem neuen Haus geraten, aber ob Architektur wirklich Herzen brechen kann, bezweifle ich. Es sind dann eher die zwischenmenschlichen Beziehungen, bei denen das Herz zu brechen droht.

Was hat den letzten großen Streit ausgelöst?
Tea oder Sherry im Buckingham Palace.

Was darf Architektur nicht?
Architektur darf nicht losgelöst von Politik und Gesellschaft stehen. Ich verstehe, dass man als (Star-)Architekt gerne ein Stadion baut. Aber kann man wirklich verantworten, dass die Arbeiter auf der Baustelle wie Sklaven behandelt werden? Die meisten repräsentativen Bauten stützen eine politische Richtung: Das Schloss in Versailles stützte die Macht der Könige. Auch das Reichstagsgebäude in Berlin zeigt, wie politisch Architektur ist: Die Kuppel kann als Herrschaftselement gesehen werden, wobei die gläserne Version von Sir Norman Foster als Zeichen demokratischer Transparenz steht. Doch nicht nur um im großen Maßstab sieht man, dass Architektur stets politische Ideen widerspiegelt. Auch im Kleinen hat Architektur stets eine politische Dimension. Es ist doch ein Unterschied, ob man eine Luxusvilla im Grünen oder sozialen Wohnungsbau plant.

Worauf seid ihr am meisten stolz?
Ich würde den Begriff gerne durch Freude ersetzen, denn hierbei steht die gesellschaftliche Anerkennung nicht so sehr im Vordergrund wie bei dem Begriff Stolz.

Der Entwurf schafft neue Wohnformen für Touristen in der Thüringer Seenkette mit einer sich verändernden Low-Tech Struktur.
Entwurfsbestimmend ist die vorhandene Werft und ihr Schienen-Zugsystem für die Reparatur der Schiffe.

Was bereitet Euch also Freude?
Wir freuen uns, dass wir vor kurzem zwei Wettbewerbe gewonnen haben, die nun verwirklicht werden. Das eine ist eine Behindertenwerkstatt, die wir mit einem anderen Büro zusammen planen und das andere sind experimentelle Ferienhäuser im XS-Format.

Mal ehrlich: Wie viele Nachtschichten schiebt ihr im Monat?
Wahrscheinlich wirklich zu viele.

Die Antwort von Opposite Office auf die Wohnraum Krise in Großbritannien ist die Aufstockung des Buckingham Palace.
Die jungen Architekten haben ein Szenario gedacht, indem die Queen sich dazu entschließt ihren Palast für das Volk zu öffnen.
Über 50.000 Menschen aus London, haben somit einen Platz zum Leben. Das Entwurfsteam bestand aus: Benedikt Hartl, Thomas Haseneder, Willi Wagner

Was ist das nächste Ziel?
Nachdem der Umbau des Buckingham Palace medial stark diskutiert wurde, machen wir uns Gedanken welches Gebäude wir gerne als Nächstes umnutzen wollen. Der Arc de Triomphe in Paris zum Beispiel. Den nehmen gerade die Gelbwesten stark in Beschlag. Ob wir die wirklich unterstützen wollen, da bin ich mir noch nicht so sicher. Generell finden wir Protest ja ein legitimes und wichtiges demokratisches Mittel, aber die politische Ausrichtung der Gelbwesten von anarchistischen Aktivisten und extremen Nationalisten muss man natürlich kritisch hinterfragen. Und auch in Deutschland wüssten wir einiges, das überbewertet ist.

Und außerhalb Europas?
Der Burj Khalifa in Dubai würde sich wirklich hervorragend für sozialen Wohnungsbau eignen. Den müsste man nicht mal aufstocken. An das Weiße Haus dagegen wollen wir uns nicht wagen. Das wird nach Trump bestimmt wieder sinnvoll genutzt. Aber um ehrlich zu sein, müssen wir etwas Geld verdienen und reale Gebäude planen. Außer natürlich es findet sich jemand, der unsere politischen Umnutzungen finanzieren möchte…

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins Baumeister und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.

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