16.12.2022

Öffentlich

Museum of Ethnography Budapest von Napur

Kultur
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko

Im Stadtpark von Budapest, Városliget, wurde im Mai diesen Jahres das Neue Museum für Ethnographie eröffnet. Városliget ist kein neuer Standort für die Sammlung. 1896 befand sie sich während der Millenniumsausstellung schon einmal hier. Der Architekt Marcel Ferencz hat für sie nun erstmals ein eigens für ihre Bedürfnisse gestaltetes Gebäude errichtet.

Fast wirkt es so, als hätten sich beim Museum of Ethnography Budapest von Napur verschiedene Gesteinsschichten aus dem Boden erhoben. Wie bei einer echten Plattenverschiebung entsteht dabei eine unerwartete Landschaft. Das Dach scheint somit schon zum Stadtpark zu gehören. Bäume und Rasen wachsen hier und schaffen so einen Durchgang zwischen Stadt und Park.

Der ungarische Architekt Ferencz mit seinem Architekturbüro Napur konnte sich bei dem international ausgeschriebenen Wettbewerb gegen Konkurrenz wie Zaha Hadid und BIG durchsetzen. Das 1992 gegründete Architekturbüro Napur zeichnet auch für eine ganze Reihe weiterer großmaßstäblicher Projekte in Ungarn verantwortlich, darunter das im Bau befindliche Nationalstadium und das Schwimmstadion „Duna Aréna“.

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko

Alles begann mit einer Skizze

Marcel Ferencz erzählt, wie der Entwurf für das neue Museum zustande kam: „Nachdem ich tausend verschiedene Ideen verworfen hatte, ergriff plötzlich eine Urgewalt meine Hand und mein Herz. Meine Hand bewegte sich und vor mir tauchte ein Bild auf, das ich zuvor noch nie gesehen hatte. Eine aufwärts strebende Kraft, ein gefalteter Raum. Ich hatte ein Design. Später, als mein Vater ankam und sah, was ich gezeichnet hatte, sagte er nur: ‚Da ist es: das neue Museum‘“

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Marcel Ferencz
Napurs Museum of Ethnography Budapest, © Marcel Ferencz
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Marcel Ferencz

Die Dachgarten-Landschaft des Museum of Ethnography Budapest

Das neue Gebäude zeichnet sich durch eine Dynamik aus, die in Harmonie mit der umgebenden Landschaft stehen soll. Die geschwungene Linie des Baus ist somit von Weitem zu erkennen. Das Besondere des Gebäude: 60 Prozent der Baumasse befindet sich unter der Erde. Dadurch entsteht ein Dach, dass sich in die Landschaft des Stadtparks einfügt. Das Design schafft nicht nur Raum für einen normalen Dachgarten, sondern für eine ganze Dachgarten-Landschaft. Dadurch entsteht für die Besucher des Stadtparks Városliget ein völlig neuartiger Erholungsort.

Die schwungvolle Form des Daches erinnert dabei an zwei Hügel, die ineinander übergehen. Treppen ermöglichen auch den Aufstieg an die beiden Enden des Landschaftsgartens. Hier befindet man sich auf der Höhe der Baumwipfel des Stadtparks und kann gleichzeitig weit über die Stadt blicken.

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Fotos: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko

Eine Millionen Pixel

Eine weitere Besonderheit sind die „Pixel“, die sich auf der Außenhaut des Gebäudes befinden. Von weitem erinnern sie dabei an ein klassisches Relief. Bänder mit verschiedenen Motiven schmücken zudem die Fassade. Ein lasergeschnittenes Aluminiumgitter bildet dafür die Grundstruktur, Bildmotive werden durch quadratische Aussparungen geschaffen. Gleichzeitig erzeugt das durch die Gitterfriese einfallende Sonnenlicht interessante Schattenformationen im Inneren des neuen Museumkomplexes. Die in das Raster aus gut einer Millionen „Pixel“ eingeschriebenen Muster sowie Motive schaffen einen künstlerischen Bezug zwischen dem Museumsgebäude und der darin aufbewahrten Sammlung: Sie nehmen Bezug auf ethnografische Motive aus Ungarn und der ganzen Welt.

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Fotos: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko

Museum of Ethnography Budapest: Bezug zwischen innen und außen

Das neue Gebäude bietet nun endlich den 250.000 Ausstellungsstücken aus der pannonischen Tiefebene und der ganzen Welt den Platz, den sie brauchen. Die bedeutende Sammlung war zuvor stets in Bestandbauten untergebracht worden, zuletzt im ehemaligen Justizpalast von Budapest. Nun erhielt das Museum endlich ein Gebäude, das exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Hier können nun die Exponate in visuell ansprechendem Rahmen ausgestellt werden. Auch für Präsentation sehr großer Ausstellungsstücke ist nun ausreichen Platz. Der Architekt hat Innenräume mit klaren Linien und weitläufigen Räumen geschaffen. Zwischen den Etagen, die durch die geschwungen Form entstehen, entstehen spannende Perspektiven und Durchblicke. Ausstellungsstücke können aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.

Die Glasvitrinen passen sich dabei ebenso dem Schwung des Gebäudes an, wie die Treppe. Durch diese Elemente entsteht eine Kommunikation zwischen äußerer sowie innerer Erscheinung.

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Fotos: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Foto: Palkó György - @gyorgypalko

Bei diesem spannenden Design überrascht es nicht, dass das Gebäude bereits mit mehreren internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet wurde. So gewann es das Best Mega Futura Project of Europe bei den MIPIM Awards 2017. Bei den International Property Awards 2018 gewann es den Titel World’s Best Architecture.

Napurs Museum of Ethnography Budapest, Zeichnungen: Napur
Zeichnungen: Napur
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Zeichnungen: Napur
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Zeichnungen: Napur
Napurs Museum of Ethnography Budapest, Zeichnungen: Napur

Mehr zu dem neuen Museum of Ethnography Budapest finden Sie hier.

Ebenfalls interessant in Budapest: das Haus der ungarischen Musik von Sou Fujimoto.

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