Mail aus Berlin (5)

So. Ein letzter Beitrag noch, bevor die nächsten Praktikanten von der Baumeister Academy auf Reisen und zum Bloggen geschickt werden. Mein Auslandsaufenthalt ist auf jeden Fall vorbei: vielen Dank an alle Beteiligten des Baumeisters, die mir das alles ermöglicht haben.

Seit dem letzten Arbeitstag ist nun bereits über ein Monat vergangen. Übrigens waren die letzten zwei Wochen mit die intensivsten im Büro. Während ich im März mit Modell bauen einen entspannten Einstieg bei J Mayer H hatte, ging es für die neuen Praktikanten gleich recht intensiv los – inklusive Deadlines und Wettbewerben. Wie also schon der erste Tag im Büro vermuten lies, blieb die Arbeit zumeist spannend und abwechslungsreich.

Ebenso verhielt es sich mit der Arbeitsatmosphäre, die bis zum Schluss angenehm und produktiv war – wofür allen JMHlern zu Danken ist: es war mir eine Freude mit euch zu arbeiten und in die Mittagspause zu gehen! Wie man sich also denken kann, war trotz des Abgabedrucks Zeit für die obligatorische Abschiedstorte.

Einen Monat darauf folgte der Abschied von Berlin, die mich nach der Arbeit durchaus beschäftigt hielt und zwar mit einer Mischung aus Kultur, Muße und einer (kleinen) Prise Masterarbeit. Zugegeben ich hätte noch mehr besuchen und besichtigen können. Doch gerade in Berlin gewöhnt man sich ob des vielfältigen Angebotes schnell daran, etwas zu verpassen.

Es gab noch so manches architektonisches, kunstbezogenes oder kulinarisches Vergnügen. Die Liste ist zu lang für diesen Text, doch um nur einige wenige Bauten zu nennen: Mich hat beispielsweise die Architekturfakultät der TU  (Bernhard Hermkes, Hans Scharoun) mit seinen Atrien und seiner schönen rohen Optik überrascht und natürlich gefällt mir auch der Einsteinturm (Erich Mendelsohn) in Potsdam – vor allem bei gutem Wetter.

Klein, aber je nach Ausstellung einen Besuch Wert ist die Tchoban Foundation. Sie widmet sich der Sammlung und Präsentation von Architekturzeichnungen, die schon in den mit Strukturmatritzen gefertigten Ortbetonwänden ablesbar sind.

Etwas größer und sicherlich in den oberen Fünf meiner bevorzugten Besichtigungen findet sich der Boros Bunker. Teilweise spannende und unterhaltsame zeitgenössische Kunst in scheinbar einfachen Raumkonstellation. Sehr bedacht hat Architekt Jens Casper (Realarchitektur) die dicken Betonwände und -decken aufreißen lassen. Ein enormer Aufwand, der im Durchbruch des dreihundertundzwanzig Zentimeter dicken Daches sein Extrem findet. Und zwar um Zugang zu dem nachträglich hinzugefügtem Penthouse der Boros zu gewähren – selbiges kann leider nicht ohne weiteres besichtigt werden.

Gegenüber dem ein oder anderen großen Museum ziehe ich den Bunker allemal vor. Gerade wenn man nur für einen Kurzurlaub in die Stadt kommt – unbedingt vorher online anmelden! Ein letzter architekturbezogener Hinweis noch: wer Chipperfield und Mies gleichzeitig sehen will, dem ist dies in der raumfüllenden Installation Chipperfields in der Neuen Nationalgalerie möglich. Aber nur noch bis 31.Dezember, Eile ist also angesagt: danach bleibt die Nationalgalerie bis zu vier Jahre geschlossen.

Klar, alles spannend und gut. Trotzdem sind es nicht nur die einzelnen Bauten die eine Stadt interessant machen, sondern das Stadtgefüge selbst. Die tägliche S-Bahn Fahrt in die Arbeit, von Friedrichshain nach Charlottenburg, war perfekt um sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen. Trotzdem, sieben Monate reichen nicht aus für eine Stadt dieser Größe. Größe ist meistens gleich Vielfalt, Vielfalt heißt Abwechslung und jene wiederum ist notwendig um meine Neugier zu bedienen.

Wenn Arbeit, Freizeit und Stadt dies Erreichen, ist das auf jeden Fall eine gute Grundlage!

Deshalb verstehe ich – wenn auch immer noch ein wenig skeptisch – den Hype um Berlin etwas besser. Ich bin vermutlich jemand, die sich mit fast allen (größeren) Orten anfreunden kann und daher zähle ich mich nicht zu jenen Zugereisten, die sich ein Leben anderswo nicht vorstellen können. Und ja: Berlin ist nicht übel. Man könnte auf jeden Fall länger hier verweilen.

Die Baumeister Academy wird unterstützt von Graphisoft.