Mail aus Berlin (5)

Die letzten Wochen in Berlin habe ich nicht nur genutzt, um Projekte im Büro von Juergen Mayer H abzuschließen, sondern auch um die kulturellen Angebote zu nutzen, für die ich bislang einfach noch nicht die Zeit gefunden hatte. Darunter fielen nicht nur ein Musical Besuch, sondern auch die Ausstellung im Neuen Museum, ein Abend beim Poetry Slam und vieles mehr. Da ich meine Zeit in Berlin mit einem Abstecher nach Dessau zu den Meisterhäusern und der Bauhaus Ausstellung begonnen hatte, beendete ich sie auch mit dem Besuch im Bauhaus-Archiv Berlin.

Zu Beginn des Praktikums rekapitulierte ich was mich dazu gebracht hat Architektur zu studieren. Das brachte mich zu der Frage, was gute Architektur ausmacht und welchen Wert sie für unsere Gesellschaft hat.

Um Architektur zu begreifen muss man sie bewusst wahrnehmen und analysieren. Dabei ist die anschließende Bewertung von dem was man sieht keineswegs rational, sondern immer subjektiv und emotional beeinflusst, da jeder Mensch einen anderen Bezug zu einem Ort, einer Stadt hat, damit Erinnerungen und Gefühle verbindet und weil Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Ich würde Architektur anhand folgender Gesichtspunkte bewerten: Der Bezug des Gebäudes zum Ort und der naheliegenden Umgebung – damit geht auch die Funktionalität einher, der Angemessenheit und Konzeption des Bauwerks und zu guter Letzt der Zeitlosigkeit des Bauwerks. Nicht außer Acht lassen würde ich die Innovation eines Gebäudes. Architektur muss sich nicht nur mit der Gesellschaft verändern und mit einer Stadt wachsen, sondern soll im vornherein Probleme der Zukunft aufgreifen, eventuell verhindern und wegweisend für das Leben in der Stadt sein. Für mich muss Architektur zukunftsorientiert sein, sowohl im ästhetischen Sinn, als auch in den technischen Details. Frei nach der Aussage Winston Churchill’s: „We shape our buildings, thereafter they shape us.“

Die Frage ist ja, wo wir unsere Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten sehen, wie wir leben, arbeiten und unsere Freizeit verbringen, wie wir mit der Natur und den Ressourcen der Welt umgehen, welche Werte für uns wichtig sind. All diese Fragen beeinflussen die Arbeit von Architekten und deren Arbeit wiederum beeinflusst die Gesellschaft auf noch viel längere Zeit.

In Großstädten wie Berlin nimmt die Wahrnehmung für Architektur und Gesellschaft für die meisten Menschen zu. Solche Städte sind kontrastreicher, multikultureller als andere, der Bewohner erlebt die soziokulturelle aber auch städtebauliche Vielseitigkeit. Diese Lebendigkeit habe ich während der Arbeit im Architekturbüro als sehr inspirierend und lebenswert empfunden, daher kann ich mir nach meinem Bachelorabschluss ein Leben in solch einer Stadt, auch in Berlin sehr gut vorstellen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich bei Juergen Mayer H. an einem bald realisierten Projekt mitarbeiten durfte und sogar selbst kreative Entscheidungen getroffen habe, die maßgeblich die Gestaltung des Gebäudes beeinträchtigt haben. Zwar wird es schwierig mich jetzt wieder an die Arbeit eines Architekturstudenten zu gewöhnen, die oft auch nächtliche Arbeitszeit und viel Disziplin meinerseits erfordert – aber nach der Zeit in Berlin bin ich mir sehr sicher, den richtigen Studiengang gewählt zu haben.

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