„Mach Platz!“

Wie im letzten Jahr steht beim 6. Baumeister-Studentenwettbewerb auch diesmal wieder die Stadt im Mittelpunkt: Es galt, Unorte zu finden und eine Lösung vorzuschlagen, die nicht nur ein neues Gebäude platziert, sondern auch die Umgebung einbezieht und öffentlichen Raum schafft. Denn Orte, an denen so etwas wie Öffentlichkeit entsteht, sind rar und werden immer rarer. Gesucht waren Projekte, die nicht selbstbezogen sind, sondern auch einen Bonus für die Stadt mitbringen.

Der Wettbewerb wurde zum sechsten Mal in Folge gemeinsam mit dem Softwareanbieter Allplan Systems ausgelobt. Ein weiterer Partner ist die Bundesstiftung Baukultur. 15 Hochschulen haben sich der Aufgabe gestellt und eine Aufgabe an ihrem Standort ausgewählt. Die Einreichungen haben den Begriff der Öffentlichkeit weit gefasst – von städtebaulichen Strategien bis zu konkreten Museumsentwürfen. Alle Beiträge waren sehr professionell und realitätsbezogen, praktikabel und bodenständig.

„Ein neues Dach für Dinkelacker“ (Preis)

Fabian Wirth, Bente Rau, Universität Stuttgart, Universität Stuttgart, Institut für Baukonstruktion, Lehrstuhl 2 – Vertretungsprofessor Stephan Birk
Honorarprofessor Friedrich Wagner, Akademischer Mitarbeiter Johannes Pellkofer, Fakultät für Architektur und Stadtplanung

Mach Platz_Rau-Wirth_Dinkelacker

Der Entwurf für die Umnutzung des Dinkelacker-Brauereiareals im Süden Stuttgarts öffnet den 2500 Quadratmeter großen Kommissions- und Lagerhof zur Stadt hin. Indem er die Mauern, die das Areal abgrenzen, zur Disposition stellt und das Gelände durch eine große Überdachung fasst, wird die Fläche zum Event-Raum für temporäre Veranstaltungen und kulturelle Angebote. Einzelne Pavillons, die als Bierbar, Ausstellungsraum oder Pförtnerhaus genutzt werden können, vervollständigen das Ensemble.

Eine lange, öffentliche „Himmelstreppe“ nach dem Vorbild der für Stuttgart typischen „Stäffele“ erschließt das Areal als eine Art Erlebnispfad: Der Weg ermöglicht Einblicke in das Brauereigeschehen und schafft so eine Verbindung zwischen dem Ort und seiner Nutzung. Den Verfassern ist es gelungen eine Strategie zu entwickeln, wie ein zuvor abgeschlossener Ort auf realistische und wirtschaftliche Art und Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

 

 

„Housing on Top“ (Preis)

Rebecca Farina Arnold, Katarzyna Sznajder Hochschule München, Fakultät für Architektur, Lehrstuhl Frederik Künzel + Carola Dietrich

Sznajer_Arnold_Wohnquartier

Ein bisher durch unattraktive Parkierungsflächen genutztes Grundstück neben einem Einkaufszentrum wird durch einen Gebäudehybrid zu einem Wohnquartier mit Marktplatz umgewandelt. Anstelle einer „klassischen“ Setzung von Gebäuden und Freiflächen werden gebauter Raum und Freiraum übereinander gestapelt, wodurch einer vom anderen profitiert. Eine durch große Lichthöfe perforierte zweigeschossige Wohnlandschaft gibt durch Anhebung den Platz frei für eine offene Marktnutzung im Erdgeschoss als Antwort auf die introvertierte Welt des benachbarten Einkaufszentrums.

Der bislang ausschließlich als Infrastrukturfläche für das Einkaufszentrum genutzte Parkplatz wird den Anwohnern damit in Form einer attraktiven Freifläche zurückgegeben. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes „Platz gemacht“ für ein ebenso ungewöhnliches wie räumlich prägnantes Raum- und Nutzungskonzept. Die in den Obergeschossen angeordneten Wohnungen profitieren ebenso wie der darunter liegende Markt von den runden Gebäudeeinschnitten, zu denen sie sich in Form durchgesteckter Grundrisse orientieren. Der Entwurf beweist, dass Baumasse nicht notwendigerweise Freiraum verdrängen muss, sondern zeigt Wege auf, Innen und Außen, Oben und Unten in neue Beziehungen zu setzen.

 

 

„Scatula“ – Kunsthalle am Dom (Preis)

Lena Packert TU Darmstadt, Fachgebiet Entwerfen und Baugestaltung – Lehrstuhl Lorch

Packert_Köln_kunsthalle

Die drei Volumen für das „Universalmuseum“ definieren als Ensemble den Raum südlich des Kölner Doms. Das Motto des Wettbewerbs „Mach Platz“ wird hier im Sinne einer räumlichen Verdichtung einer bisher unklar definierten städtischen Zone interpretiert.

Nicht das Freiräumen und Umnutzen, sondern das Besetzen, Definieren von Raumkanten und Platzräumen und deren spannungsvolle Reihung durch die Setzung der Baukörper bestimmt die Entwurfsstrategie. Die sorgfältige räumliche Komposition und architektonische Durcharbeitung überzeugt auch in der konsistenten Darstellung des Entwurfs. Die dekorative Gotisierung der gut proportionierten Volumen erscheint dabei allerdings nicht zwingend.

 

 

„Neues Leben am Hagenmarkt“ (Anerkennung)

Sophie May Germer TU Brauchschweig, Institut für Entwerfen und Raumkomposition – Lehrstuhl Staab

Perspektive-au§en

Eine alte Markthalle am Hagenmarkt in Braunschweig war vor 1940 Mittelpunkt einer dichten Bebauung. Heute bietet der Ort ein trauriges Bild: Von der Markthalle sind nur noch Graffiti-besprühte Umfassungsmauern übrig, dazwischen parken Autos.

Die vorgeschlagene Lösung erhält die Bestandsmauern und übernimmt exakt die Grundfläche der Halle; sie variiert, zerklüftet und teilt die Hallendachform, so dass vier neue separate Gebäude mit öffentlicher Nutzung entstehen wie Theater, Werkstatt und Café. Dazwischen bilden sich drei gut proportionierte, einladende Höfe. Der Entwurf bezieht die unmittelbar angrenzenden Stadträume nicht ein, und bleibt eine Insel.

 

 

„bieRegal“ (Anerkennung)

Svenja Moritz und Kirsten Julia Hörler, Universität Stuttgart, Universität Stuttgart, Institut für Baukonstruktion, Lehrstuhl 2 – Vertretungsprofessor Stephan Birk
Honorarprofessor Friedrich Wagner, Akademischer Mitarbeiter Johannes Pellkofer, Fakultät für Architektur und Stadtplanung

Architektur_Hörler_Studentenwettbewerb

Die Arbeit „bieRegal“ entwickelt ergänzende private und öffentliche Nutzungen für das in Stuttgart an der Hohenstaufenstraße liegende, private Firmengelände der Dinkelacker Brauerei. Anstelle der bisherigen Werksmauer entsteht eine über hundert Meter lange, perforierte und hybride Stadtregalbebauung, die in beide Richtungen (von der Stadt zum Brauereigelände und umgekehrt) Nutzungsangebote auf Plattformen und in eingeschobenen Raumboxen schafft. Für die Öffentlichkeit entsteht ein Dachgarten mit Ausblick über die Stadt.

Die Regalwand und eine Überdachung der Lagerfläche schränken den Brauereibetrieb nicht ein. Vielmehr werden neue Nutzungen ermöglicht und eine Teilöffnung des Gewerbeareals durch die Membranfunktion der Regalwand und das Hofdach für eine Kulturfläche geschaffen. Die architektonische Qualität des Stahlgerüstes wurde kontrovers diskutiert. Erkennbar ist, dass ein neues, industriell anmutendes Element im Stadtbild entsteht, das den prozessualen der Raumöffnung im Sinne der Aufgabenstellung gut symbolisiert. Die Arbeit ist sehr gut dargestellt und vermittelt die Entwurfsidee durch überzeugende Renderings.

 

 

Jurymitglieder:

Philipp Auer, Auer Weber Architekten (Juryvorsitz)

Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur

Johannes Zettel, Nemetschek Allplan Systems

Matthias Castorph, Goetz Castorph Architekten und Stadtplaner

Julia Hinderink

Sabine Schneider, Redaktion Baumeister

Alexander Russ, Redaktion Baumeister (Protokoll)

 

Preisgeld Preis je 1200 Euro

Anerkennung je 700 Euro

Präsentation Anna Yeboah, Susanna Bier, Virginia Zangs