Lebenstraum Hausboot

„Ist es denn da nicht kalt?“ ist die häufigste Frage, die den Hausbootbewohnern gestellt wird. Besorgte Passanten erkundigen sich auch, ob das Boot schaukelt und einem schlecht wird oder ob die Teller ab und zu aus dem Schrank fallen. Familie Eisenhardt gibt gern Auskunft, denn sie haben sich einen Traum erfüllt, den viele nur zu träumen wagen: Sie haben ein altes Bauhüttenschiff aus DDR-Zeiten erworben, umgebaut und sich dauerhaft in einem schwimmenden Heim eingerichtet. Und um zumindest die erste Frage zu beantworten: Nein, es ist nicht kalt, denn die Crew, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern, hat ihr Wohnschiff „Helene“ mit 20 Zentimeter Steinwolle gedämmt. Außerdem versorgen sie sich autark mit Energie und haben schon mehrere Winter im knirschenden Eis überstanden.

Buchempfehlung – Wohnen auf der Spree

Ihre Erfahrungen hat nun die Frau an Bord, die Berliner Journalistin Uta Eisenhardt, in einem kleinen Buch versammelt, unter dem Titel „Vier Zimmer, Küche, Boot – Eine Familie zieht aufs Wasser“. Interessant für Hausboot-Aspiranten und Freizeit-Kapitäne ist etwa, dass sie die Suche nach einem Berliner Liegeplatz an der Spree als besonders zermürbend darstellt. Denn die Beamten im Stadtplanungsamt waren alles andere als entzückt: Ein Hausboot kaufen und festmachen in Berlins Binnengewässern? Das sei baurechtlich nicht vorgesehen, denn „Flussufer sind öffentliche Räume für Erholung und Naturschutz“. Da helfe nur Hartnäckigkeit, stellt Uta Eisenhardt fest. Außerdem gibt sie am Ende noch ein paar nützliche Tipps: Kosten, Genehmigung, Wohnfläche, Grundriss, Liegeplatzgebühr, Zustand, Baujahr bis zu den Schlafplätzen. Wie der Leser im Lauf der Lektüre erfährt, sind die Missgeschicke bei unerfahrenen Bootsbesitzern zahlreich – schließlich kann das traute Heim nicht nur abbrennen, sondern auch sinken.

„Vier Zimmer, Küche, Boot“
Uta Eisenhardt
22,90 Euro. Verlag Delius Klasing, Bielefeld 2016

Wer sich über diese exotische Wohnform informieren will, hat außerdem Gelegenheit dazu bei der ersten „Hausboot-Konferenz“: Der Verlag Delius Klasing veranstaltet sie am 20. Oktober in Hamburg (zum Preis von 398 Euro). Dort können viele Fragen geklärt werden wie: Was bedeutet es auf dem Wasser zu leben, welche Möglichkeiten gibt es, was ist bei Bau und Konstruktion schwimmender Bauten zu beachten und wie sind die rechtlichen Rahmenbedingen?

Alle Fotos: Eisenhardt