Lebensläufe junger Designer

1991 wurde in Tschechien der Wettbewerb des besten studentischen Designs ins Leben gerufen. Heute – 24 Jahre später – sind viele der früheren Gewinner gemachte Designer. Die Ausstellung „Jung und erfolgreich!“ erzählt ihre Geschichten und stellt ihr Design vor. Baumeister sprach mit der Kuratorin.

Baumeister: Welchen Einfluss hatte der Preis auf die Karrieren der Gewinner?
Veronika Pechmanová: Den größten Einfluss auf die Karrieren der Gewinner hat wahrscheinlich die Publicity. Der Gewinner ist für eine Weile im Zentrum der Aufmerksamkeit, Zeitschriften und andere Medien haben Interesse an seiner Arbeit. Es ist eine Chance, interessante Menschen zu treffen oder neue Kontakte zu knüpfen. Diese Kontakte sind für Studenten sehr wichtig. Sie bekommen meist ein Praktikum in einem Design-Studio oder auch im Tschechischen Zentrum – und haben so die Möglichkeit, mehr Arbeitserfahrungen zu sammeln.
Die andere Sache ist, dass der Preisgewinn sie zu weiteren Designs motivieren sollte. Das ist die Hauptidee des Wettbewerbs – jungen Studenten und Designern zu helfen, ihre Karriere zu beginnen.

B: René Šulc zum Beispiel. Er entwickelte den Stuhl ERA für die Firma Ton. Was ist seine Geschichte?
V P: René Šulc wurde zweimal ausgezeichnet, und das sogar obwohl Studenten mit professionellen Designern konkurrierten. Danach begann er als Designer im Atelier Pelcl und einige Jahre später gründete er sein eigenes Designstudio Inveno. Er war viele Male für den „Czech Grand Design Award“ nominiert und hatte viele erfolgreiche Ausstellungen im Ausland sowie in Tschechien. Unter anderem unterrichtet er nun Industriedesign an der Tschechischen Technischen Universität und er arbeitet als professioneller Designer mit Unternehmen wie Ton, Polstrin Design oder Lucis.

B:  Wie erfolgreich sind die auf der Ausstellung vertretenen Designer international?
V P: Die meisten von ihnen sind sehr erfolgreich. Einige wurden mit dem „Red Dot Design Award“ ausgezeichnet. Der Designer Jan Čtvrtník hat den Preis bereits zweimal gewonnen und er ist jetzt Senior Designer für Electrolux in Italien. David Karásek hatte mehrere erfolgreiche Ausstellungen im Ausland und auch er gewann einen Red Dot Design Award, ebenso Filip Streit oder Ladislav Škoda. Die Botas-Turnschuhe von Jan Kloss sind im Ausland sehr bekannt, wie auch Eliška Kuchtová, die jetzt in Spanien für Camper arbeitet. Die Liste aller Erfolge im Ausland ließe sich noch lange weiterführen.

B: Was unterscheidet tschechisches Design von Design aus Italien oder Schweden?
V P: Tschechische Designer waren traditionell immer sehr erfolgreich und handwerklich begabt und haben viele Klassiker hervorgebracht, was vergleichbar mit Design-Ländern wie Italien oder Schweden ist. Es ist schwer zu sagen, ob es einen Unterschied zwischen tschechischem Design und Design aus anderen Ländern gibt, weil Gestaltung heutzutage sehr viel mit Technologien, neuen Werkstoffen und Innovationen zu tun hat. Ich kann sagen, dass wir auf Augenhöhe mit diesen Ländern sind, die sehr wichtige Zentren der Designgeschichte waren.

Die Ausstellung „Jung und erfolgreich!“ findet noch bis 9. Oktober im Tschechischen Zentrum in München statt.

Foto Bota-Schuhe: Veronika Pechmanová