Kopenhagen, Hotel Bella Sky

Das Sehen und Gesehenwerden scheint bei diesem Hotel entwurfsbestimmend. Durch seine Verneigung vor der Stadt schafft es gleichzeitig maximale Ausblicke. Örestad ist Kopenhagens aufstrebender Stadtteil. So mancher Architektengott aus der internationalen Liga hat hier seine Duftmarke hinterlassen. Doch die besten Bauten auf dem lang gestreckten Teppichstück – vor nicht allzu langer Zeit noch militärisches Übungsgelände – stammen von der kleinen, aber feinen dänischen Szene: etwa BIGs 8-förmiges Haus (Baumeister 11/2010) oder das Örestad-Gymnasium mit seiner schlichten Kubatur. In seinem Inneren haben die Kopenhagener Architektenbrüder von 3xN ein Wunderwerk räumlicher Gestaltungsvielfalt geschaffen – mit Splitlevels, bühnenartigen Treppen und intimen Rückzugsinseln.

Als sich nach dem Klimagipfel von 2009 das „Bella-Center“ zum begehrten Kongress- und Messeplatz wandelte, musste natürlich ein großer, spektakulärer Hotelneubau her. Und so kamen wieder die Brüder von 3xN zum Zug, die das „Bella Sky“ zu einem unverwechselbaren, hoch aufragenden Wahrzeichen werden ließen. Tatsächlich schlägt Bella Sky einige bestehende Rekorde: Es ist Dänemarks höchstes Haus, Skandinaviens höchstes Hotel, besitzt 23 Stockwerke, 812 Zimmer und 30 Konferenzräume. Diese Mini-Statistik sagt auch einiges über die üblichen Gäste, die auf der Suche nach den Tagungsräumen oder der angrenzenden Messehalle zumeist emsig wie Ameisen über die Business-Zone ausschwärmen. So oder ähnlich lassen sich selbstverständlich unzählige Hotels beschreiben. Aber Bella Sky möchte anders sein und möglichst auffallen. Die zwei scheibenartigen Turmgebilde, deren weiße Fassaden sich nach außen biegen, lösen diesen Anspruch mit Leichtigkeit ein. Gleiches gilt für die unregelmäßigen Fenstereinschnitte und die beiden Brücken, die sich verwegen zwischen den Türmen spannen. Die untere dirigiert die Tagungsteilnehmer vorbei an Gesprächsnischen zu den Business-Foren, die obere ist ganz „privatissime“: Sie führt die Hotelgäste in die runde Sky-Bar, die mit dem besten Ausblick Kopenhagens wirbt.

Überhaupt haben die Architekten von 3xN ihr sensuelles Gespür für räumliche Variationen besonders in den öffentlichen Bereichen ausspielen können. So unterteilt sich das lichte Foyer in eine leicht abgesenkte, halbkreisförmige Zone, in der sich Geschäftspartner zu kühlen Drinks und informellen Gesprächen treffen. Die etwas höher gelegene Res-taurant-Zone mit Sitznischen und schummriger Beleuchtung wirkt dagegen höhlenartig-verwunschen. Die wuchernde Vegetation an der Wand mag zwar heute schon zum obligatorischen Designerstil gehören, aber sie verleiht dem Raum ein wenig Heimeligkeit. Schreitet man dann über die ausladende Treppe hinauf zum Frühstücksraum, offenbart sich geradezu ein Kontrastprogramm! Nach der intim gestalteten Restaurant-Zone wird der Gast hier von einer unerwartet lichten Atmosphäre erwartet. Ganz Örestad mit der dahinter liegenden Amager-Siedlung liegt in seinem Blickfeld. Die zweiseitige Verglasung des riesigen quaderförmigen Raums wirkt erholsam, wenn man als Frühstücksgast gewohnt ist, in fensterlose Hotel-Katakomben verbannt zu werden. Tatsächlich möchte das Bella Sky auch in den Hotelzimmern neue Maßstäbe setzen. Die sind zwar relativ beengt, beeindrucken aber durch die geschosshohen, zackenförmigen Fensteröffnungen in der Aluminiumfassade. Wer das Glück hat, in einer der oberen Etagen zu logieren, freut sich zunächst über die tolle Aussicht, doch der Blick hinab in den tiefen Abgrund, der sich vor den Füßen auftut, ist nur hartgesottenen Alpinisten zuzumuten. Auch sonstige Frischluftfanatiker müssen sich auf Widrigkeiten einstellen: Die Türme des Bella Sky schleusen Luft nur durch die Klimaanlage. Das ist ein herbes Manko in einer Stadt, die sich gern zu den führenden „Green Cities“ zählt.

Adresse

Hotel Bella Sky
Center Boulevard 5
2300 København
Dänemark
www.bellaskycomwell.dk