Kaltern, Panorama Design Hotel

Von außen irritiert das Haus, weil man die Anbauten und Erweiterungen mit dekorativem Regionaldesign zu kaschieren versuchte. Innenräumlich erweist es sich als wohnliche Herberge, die allen Epochen gerecht wird.

Wenn man nach stundenlanger Autofahrt über den Brenner endlich im Hotel ankommt, spürt man den Urlaub sofort: Es riecht angenehm nach Holz, Eichendielen laden zum Barfußgehen ein, die Ausstattung verheißt räumliche Behaglichkeit, egal welches der unterschiedlichen neu gebauten oder renovierten Zimmer man erwischt hat. Es gibt kein peinliches Verweilen neben den aufgebahrten Ehebetten, stattdessen sind Schränke in Nischen oder Verkehrsflächen verbannt, ein kleiner Schreibtisch wartet einladend, zum Lesen ein gepolstertes Podest mit hölzernem Baldachin (das in einigen Zimmern als Erker den Balkon flankiert), und das von satinierten Glasscheiben abgeteilte Bad öffnet sich mit seinen weniger intimen Funktionen. Unser Zimmer bot sogar eine Galerie für die Kinder, die ein anderes Fernsehprogramm sehen wollen. Alle Einbauten sind aus Eichenholz gefertigt, gedeckte Wandfarben und warme unifarbene Stoffe bestimmen die Ausstattung, wobei man auf die Textilbespannung der Leuchten, die Licht eher verhindert als dämpft, lieber verzichten würde. Es sind Zimmer zum Wohlfühlen, bisweilen hat die Gestalter NOA (network of architects) aber wohl mehr das Design als die Architektur getrieben.

Ausgesucht hat man sie bei einem eingeladenen Wettbewerb. Ihr Siegerentwurf, der erst zum Teil verwirklicht wurde, hat sich leider deutlich verändert. Gut gefällt, dass das in den sechziger Jahren gebaute und immer wieder erweiterte und modernisierte Hotel aus jeder Epoche etwas behalten durfte. Der Weg durch die gepflegten Gesellschaftsräume gleicht einer Exkursion durch die jüngere Baugeschichte. Das liest sich einerseits als Hommage an die drei Generationen der Hoteliersfamilie, andererseits als etwas ironische Denkmalpflege, wenn Glassteinfelder oder Marmorsimse herauspräpariert werden, als handele es sich um unersetzliche architektonische Inkunabeln. Die alten Dachbalken wurden dafür praktisch für den Bau der Gartensauna verwendet.

Bei der Außenansicht haben sich NOA allerdings um eine alles überziehende Fassadenharmonie bemüht. Die An- und Zubauten ergaben einen vielgestaltigen Baukörper, den man durch registerartige Pergolenfelder, die das klassische Satteldachmotiv endlos wiederholen, zusammengezimmert hat. Hinzu kommt ein zweites Motiv, an dem sie sich ebenfalls abgearbeitet haben: Die Balkone sind durch unterschiedlich hohe spitze Palisadenbrüstungen gesichert, als wäre mit dem Angriff wilder Tiere zu rechnen – und selbst die applizierten Deckenbalken, Lampenschirme und Kleiderrechen nehmen das störrische Thema auf. Was hat NOA nur geritten, ihre Architektur mit Kunsthandwerk zuzuschreinern? Pergeln in den Weinbergen sind Gerüste für die Reben, und Architektur ist Architektur!

Den Aufenthalt stört dies allerdings nicht. Die aussichtsreiche Lage, der mediterrane Garten mit Pool und die von freundlichem Service bestimmte Umgebung lassen eine familiäre Atmosphäre entstehen. Spätestens an der Bar, wenn der Juniorchef die Drinks serviert und Wanderempfehlungen gibt. Dann ist man sich nicht sicher, ob die Unruhe der Holzlatten nicht doch von der reichlich genossenen Kalterer See-Auslese kommt.

Adresse

Panorama Design Hotel Kaltern
Penegalweg 21
Kalten an der Weinstraße
info@kaltern-hotels.com
www.designhotel-panorama.com