Jugendstil perdu

Die Stadt Essen scheint kein glückliches Händchen für die Baugeschichte zu haben: 2008 krönte sie ihren „Tag der Architektur“ damit, das Jugendstil-Kaufhaus Althoff von Wilhelm Kreis zu sprengen.

Eine ähnliche Aktion ist jetzt wieder geplant: Das traditionsreiche Jugendstil-Gasthaus „Kaiser Friedrich“, gebaut 1907 nach Plänen des örtlichen Architekten Alfred Heyn, ist der Leiterin der städtischen Denkmalbehörde, Frau Dr. Petra Beckers, der Mühe nicht wert. Sie ist der Auffassung, die Erhaltung dieses Gebäudes sei „ein Thema der Stadtbildpflege, nicht der Denkmalpflege.“ Und außerdem: „Wir können nicht alles retten.“

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Das Gasthaus Kaiser Friedrich in Essen soll abgerissen werden.

In Verkennung ihrer genuinen Aufgabe Denkmalschutz scheint es ihr „immer wichtiger, dass Gebäude, die keine Baudenkmäler sind, von interessierten Menschen erhalten werden müssen, indem sie sich zusammenschließen, diese Bauten erwerben, instand setzen etc. – ganz ohne staatliche Regie. Die Verantwortung im Umgang mit diesen Gebäuden liegt bei den Eigentümern.“

Das Gasthaus wurde bis vor kurzem als gutes italienisches Restaurant betrieben. Von Vernachlässigung also keine Spur. Derzeit steht das Haus leider leer. Ein Abrissantrag ist bereits gestellt, ein Antrag zur Eintragung in die Denkmalliste nicht. Frau Dr. Beckers ist deshalb leider geneigt, nach Aktenlage zu entscheiden.