Aravena über eine gestapelte Holzwand

In ihrem Buch „Reminiscence“ porträtieren Benedict Esche und Benedikt Hartl die besondere Beziehung zwischen Bauwerk und Architekt. Dort kommen wegweisende Architekten zu Wort, die über ihre architektonische Prägung und deren Einfluss auf die eigene Arbeit schreiben. Hier erzählt Pritzker-Preisträger Alejandro Aravena von einer strengen und doch zufälligen Ordnung, die natürlich ist und als Vorbild fungiert:

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Ein strenges und zugleich willkürlich wirkendes System

 

Willkürlichkeit, Ungerechtfertigkeit, Eitelkeit, Sinnlosigkeit, Launenhaftigkeit, Wunderlichkeit, Oberflächlichkeit, Überflüssigkeit. Wir sind im Krieg gegen all das. Unsere Kugeln und Munition sind die Zwänge und die unausgesprochenen Gewissheiten des gesunden Menschenverstandes. Die Architekturen, die uns inspirieren, werden geleitet von den strengen Gesetzen der Einfachheit. Es sind jene Kräfte die nicht verleugnet werden können wie die Schwerkraft oder das Gesetz der Einfachheit von Mitteln und Möglichkeiten. Ein Maximum an Bedeutung mit einem Minimum an Aufwand zu schaffen. Es ist die Macht der Synthese, die in Projekten wie dieser Wand gestapelter Holzscheite in einem Tal in den Anden klar nach Außen tritt.

Das Bild kombiniert die Beschränkung eines einzigen Materials (Holz), eines einzigen Strukturprinzips (Der Stapelung von Gewichten) und einer einzigen durchgängigen Höhe und zeigt doch eine vielfältige Kombination aus fast muskulös anmutender Körperlichkeit, rätselhafter Präsenz und archaischer Ruhe. Die binäre Konstruktion ist nicht schematisch, sondern bei sorgfältiger Beobachtung an den durch Holzbalken in zweit Richtungen verstärkte Ordnung erkennbar. Die Holzscheite füllen den Raum zwischen den Stützen gestapelt in strenger und doch zufälliger Ordnung auf. Nichts bleibt verborgen und das ist für mich Magie mit hochgekrempelten Ärmeln. Unprätentiös und einfach aber niemals schlecht erreicht es in der Summe all jener Elemente und Prinzipien genau das, was wir bei unseren eigenen Projekten anstreben: Natürlichkeit eben – so wie das Leben selbst.

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