JAVA und der Wohnturm zu Paris

Der Titel des Projekts „Une maison a Paris“ klingt banal. Doch weder die Geschichte dahinter noch der kleine Wohnturm inmitten der französischen Metropole sind gewöhnlich. Ganz im Gegenteil. Hier kommen innovative Architektur und Nachverdichtung zusammen.

Die Geschichte des kleinen Pariser Wohnturms beginnt mit einer Email. Diese erhielt das Team vom Architekturbüro JAVA im Herbst 2017. In dieser Mail erklärte der Verfasser, dass er mit seiner Frau in einem Pariser Hinterhof ein ruinöses Haus gekauft hätte, welches er in ein Haus für seine Familie verwandeln wolle.

Nach einem kurzen Telefongespräch war den Architekten klar, dass der Herr einen Haufen alter Steine erworben und keine Ahnung hatte, ob er aus diesem überhaupt etwas machen könne. Die Architekten befanden ihren späteren Kunden für verrückt oder genial. Ohne eine Antwort auf seine Anfrage zu haben, entschieden sich die Partner von JAVA, Florian Levy, Alma Bali und Laurent Sanz, das Projekt anzugehen. Gemeinsam starteten sie ein Abenteuer, das mehrere Jahre dauerte und einer Familie der französischen Mittelklasse half, in Paris wohnen zu bleiben. Heute leben sie auf fünf kleinen Geschossen inmitten eines Innenhofs.

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Der Turmbau von JAVA

Zunächst analysierten die Architektinnen und Architekten von JAVA die Ruine im Hinterhof in Bezug auf deren Substanz und ihr Potenzial. Darauf hin entschieden sie sich, ein neues, dreigeschossiges Gebäude auf das bestehende Mauerwerk aufzusatteln. Wenn Bauen landläufig als Akt der Tapferkeit bezeichnet wird, ist es in Paris eine heroische Tat. Auf dem Weg von frühen, ersten Skizzen bis zum Beginn der Bauarbeiten lagen eigentumsrechtliche Auseinandersetzungen, Diskussionen mit dem Stadtplanungsamt und das Ringen mit dem schmalen Budget des Kunden.

Zunächst freuten sich die Projektträger über eine, wenn auch schwache, Zustimmung zum Projekt. Doch dann wurde die Baugenehmigung für den Wohnturm verweigert. Nachdem diese schließlich dann doch erteilt worden war, rebellierten die Nachbarn. Doch zum Schluss aber wurde alles gut. Nach einem mühsamen Prozess durften die Bauarbeiten beginnen. Am Ende entschieden sich die Architekten, ihren Bauherrn nicht als verrückt sondern als genial anzusehen.

Ein Turm inmitten eines Hinterhofs

Nachdem die Idee geboren war, dem bestehenden Haus drei Stockwerke aufzusetzen, begann die Arbeit an einem Wohnturm auf einer Grundfläche von sechs auf vier Meter. Da als Basis für den Neubau das alte Mauerwerk dienen sollte, mussten die Aufbauten so leicht wie möglich werden. Holz entpuppte sich als idealer Baustoff für die neuen Stockwerke und wurde zum wichtigsten Baumaterial des Projekts. Es ist im Inneren des Hauses überall sichtbar, vor allem bei der durchlaufenden Holztreppe.

Nur an einer Seite der Fassade konnte JAVA transparente Fenster verwenden. Diese Öffnungen besitzen in jedem Geschoss eine andere Gestalt. Je nach Funktion der Innenräume gewähren die Fenster mehr oder weniger Einblicke. Dadurch erscheint die Hauptfassade wie eine Stapelung verschiedener Nutzungen und Architekturen. Auf der gegenüberliegenden Seite besteht die Außenhaut aus opakem Polykarbonat, die ein sanftes Licht in den Treppenbereich und die Nebenräume bringt. Auch das Dach des Turms besteht aus diesem lichtdurchlässigen Material.

In Paris bleiben

Ein Projekt, das auf den ersten Blick verrückt wirkte, entpuppte es sich im Laufe der Zeit als großartiges Experiment. Eines in dem es gelungen ist, ein Wohnhaus für eine Familie der Mittelklasse inmitten der Metropole zu bauen, in der die Immobilienpreise ständig steigen. Durch die Nutzung der vorhandenen Fundamente und Wände konnten die Architektinnen und Architekten von JAVA viel Material und Energie eingespart werden. So konnte ein zeitgemäßes, energieeffizientes Einfamilienhaus inmitten einer der teuersten Städte des Kontinents entstehen.

Alle Fotos: JAVA, Caroline Dethier

Nicht jeder Wohnturm hat nur Platz für eine Familie. Das Wohnhochhaus „The Muse“ von Barcode Architects schafft gleich 94 Wohnungen im Zentrum von Rotterdam.