“The Muse” – ein Wohnhochhaus von Barcode Architects

“The Muse”, das neue Wohnhochhaus von Barcode Architects im Rotterdamer Wijnhaven, kombiniert die Typologie des Wohnhochhauses mit der des Terrassenhauses. Über eine große Dachterrasse verbinden die Architekten den Neubau mit dem Nachbargebäude.  

 

 

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“The Muse”, das neue Wohnhochhaus von Barcode Architects im Rotterdamer Wijnhaven, verdankt seine Existenz einem anderen bemerkenswerten Bauvorhaben: dem Hochhaus „De Rotterdam“ von OMA. Als Teile der Stadtverwaltung 2013 in den OMA-Neubau übersiedelten, wurde das Behördengebäude, dass an der Stelle des The Muse stand, überflüssig. Barcode Architects schlugen deshalb dem niederländischen Immobilienunternehmen Wilma Wonen vor, das Grundstück für Wohnzwecke neu zu entwickeln. Das Unternehmen beschloss, nicht nur das städtische Gebäude zu erwerben, sondern kaufte auch das angrenzende Gelände. Auch auf dem Nachbargrundstück entsteht derzeit ein Wohnturm nach Plänen von Barcode Architects – die „Casa Nova“, die 2022 fertiggestellt sein soll.

 

 

Während die Casa Nova einen dreieckigen Grundriss besitzen wird hat The Muse eine annähernd quadratische Grundform. Beide Hochhäuser erheben sich über einem fünf Stockwerke hohes Sockelbau. Beim The Muse sind im Sockel neben der Lobby und Ladenlokalen vor allen Dingen das oberirdische, dreigeschossige Parkhaus untergebracht, das zur Stadtseite des Hauses ausgerichtet ist. Nur auf der Hafenseite befinden sich in diesem unteren Gebäudeteil einige Wohnungen. Nach Fertigstellung beider Hochhäuser, werden diese durch einen großen Dachgarten verbunden sein, der sich auf dem Dach der Sockelbauten befindet und der allen Bewohnern zur Verfügung stehen soll. Die Architekten verfolgen damit das Ziel, einen Treffpunkt für die Hausgemeinschaften zu schaffen und so ein Gemeinschaftsgefühl unter den Bewohnern zu erzeugen.

 

 

Terrassenhaus mit Aufsatz

Der interessanteste Gebäudeteil von The Muse schließt oberhalb der Dachterrasse an. Hier mischen Barcode Architects die Typologie des Hochhauses mit der des Terrassenhauses. Vier abgetreppte Geschosse vermitteln zwischen dem Sockelbau und dem eigentlichen Turmvolumen. Die eigentlich unattraktiveren tiefergelegenen Apartments werden durch die großen privaten Freisitze, die so entstehen, spürbar aufgewertet. Optisch scheint der Bau in diesem Bereich aus seiner Mitte verschoben, weil die Architekten hier das Volumen des Turms auf der einen Seite einschneiden, auf der anderen ausstülpen. Auch der Rhythmus der Balkone, der den Bau zur Stadt- und Hafenseite optisch gliedert, nimmt diese „Verschiebung“ auf. Die beiden anderen Fassaden des Turmes gestalten die Architekten als Abfolge von Fensteröffnungen und großformatigen anthrazitfarbenen Sandwichplatten, so dass bei dem Bau klar zwischen Front- und zwei Seitenansicht hierarchisiert wird.

 

 

Insgesamt 94 Eigentumswohnungen zwischen 80 und 200 Quadratmetern Wohnfläche sind in dem 74 Meter hohen Gebäude auf 23 Etagen untergebracht. Sein zukünftiger Nachbar Casa Nova wird es um etwa 35 Meter überragen. Gut möglich, dass bald noch weitere Wohnhochhäuser hinzukommen. Die Stadt Rotterdam verfolgt den ehrgeizigen Plan, bis zum Jahr 2040 insgesamt 50.000 neue Wohnungen zu errichten. Allein im Rottterdamer Zentrum sollen bis zu 5000 neue Wohnungen enstehen – und das wird nur mit weiteren Wohnhochhäusern umsetzbar sein. Vielleicht kann “The Muse” für seine Nachfolger das tun, was Musen am besten können – sie inspirieren.