Japan made in Holland

In Tokio steht das „House A“, ein kleines Einfamilienhaus, das ein weiteres Beispiel für den Einfallsreichtum japanischer Architekten im Umgang mit schwierigen Grundstücken ist. Entworfen wurde es allerdings von einem Europäer, dem niederländischen Architekten Wiel Arets.

Beton-Japan-Glasfassade
Wiel Arets-Japan-Architektur

Das Grundstück liegt in Nishi-Azabu, einem Viertel, das durch enge, gewundene Straßen und eine niedrige Bebauung geprägt ist. Es ist sehr klein und schmal, wie so oft in der japanischen Metropole. Der Wunsch der Bauherren nach einem Stellplatz für ihren Smart verringerte die ohnehin schon geringe Grundfläche zusätzlich. Eine Faltung des Gebäudevolumens löste das Problem: Während das Erdgeschoss zurückspringt, kragen die beiden darüber liegenden Geschosse über die so entstandene Parkfläche.

Kueche-Esszimmer-Wiel Arets
Wiel Arets-Japan-Aussenraum

Die Funktionen verteilen sich auf fünf Geschosse, zwei unterirdisch, drei oberirdisch. Insgesamt hat das Haus 136 Quadratmeter. Das Erdgeschoss besteht, wie die Geschosse darüber, aus einem großen Raum – Küche und Esszimmer sind dort untergebracht. Im zweiten Geschoss befindet sich das Wohnzimmer, ganz oben dann ein Schlafzimmer, das an eine polygonal eingeschnittene Dachterrasse grenzt.

Holland-Japan-Dachterrasse
Badezimmer-Japan_Wiel Arets

Für die beiden Kinderzimmer fand der Architekt eine weniger überzeugende Lösung: sie liegen im ersten Untergeschoss. Die Erschließung und die Bäder sind als eigenständige Raumsegmente abgetrennt, grenzen aber direkt an den Hauptraum. Die Erschließungsfläche wird so auf das Notwendigste minimiert – einen Flur gibt es nur bei den Kinderzimmern.

Wiel Arets-Japan-Treppe
Beton-Japan-Treppe

Das Gebäude wurde als erdbebensicherer Betonbau ausgeführt, der Sichtbeton prägt die Innenräume. Außen ist es mit Glasplatten verkleidet. Das weiche Schimmern nimmt dem skulpturalen Körper die Härte, er nimmt sich trotz der expressiven Form gegenüber den Nachbarn zurück.

Beton-Japan-Wohnhaus
Bad-Japan_Wiel Arets

Die Fenster bestehen aus zwei Schiebeelementen: einem transparenten Glaselement als thermische Barriere und einem transluzenten Sichtschutz, für den der Architekt dieselben Glasplatten verwendete wie für die Fassade. Die verschiedenen Öffnungsvarianten lassen unterschiedliche Ein- und Ausblicke zu, die Räume verweben sich mal mehr, mal weniger mit ihrer Umgebung.

Wiel Arets-Japan-Dachterrasse
Beton-Japan-Schiebetuer

Es ist wohl der japanischste Moment des holländischen Architekten: Die klassische Auflösung von Natur und gebautem Raum verwandelt er in ein urbanes Szenario und schafft so ein räumliches Kaleidoskop, das den Stadtraum bereichert.