Innsbruck, Hotel Nala

 

Sieben Zimmer umfasst das Boutiquehotel in Innsbruck – und kein Zimmer gleicht dem anderen. Für den Namen Nala nahmen die Betreiber Anleihen im Rätoromanischen. Noch heute werden Großmütter in den Tälern des Tiroler Oberlandes Nala gerufen. Und die rätoromanische Urmutter, oder besser gesagt ihre künstlerische Interpretation, wacht in jedem Zimmer über die Gäste.

Wacht man im Loft-Zimmer „Southside“ auf, erwartet einen großes Landschafts-Kino. Das beeindruckende Panorama, das sich vor dem Betrachter aufspannt, reicht vom Patscherkofel über die Schanze am Berg Isel bis zur dominanten Serles. Solche Blicke sind natürlich ein Glücksfall, die Archi­tekten entsprechend inszenieren können. Anders verhält es sich mit den Innenräumen – und die sind im Nala auch ein Glücksfall. Kein Raum gleicht dem anderen, denn zumindest das Farbkonzept variiert von Zimmer zu Zimmer. Die Unterschiede manifestieren sich auch in Namen wie Small Beauty, Zen, Mosaik, Nightingale oder Snow White. Jedes Zimmer bietet präzise ausformulierte Raumwunder und künstlerisch-dekorative Interventionen. Nehmen wir das „Climb Up“: In dieser platzsparenden Raumkomposition auf 14 Quadratmetern schlafen die Gäste im Hochbett, darunter finden sich Dusche und WC. Schränke verstecken sich unter der steilen Treppe, das Waschbecken steht mehr oder weniger im Raum – und beim Blick vom Bett auf den gemütlichen Sitzplatz wirkt es auch noch großzügig.

Von diesem präzisen und eloquenten Raumverständnis profitieren aber auch die vergleichsweise großen Lofts und Suiten. Beim Southside zum Beispiel sind Schrank, WC, Dusche und Waschbecken quasi als Wandverbau aneinandergereiht, vom Zimmer abgetrennt durch Vorhänge und Schiebetüren. Im balkonähnlichen Bett-Überbau schwebt die Badewanne, samt Sitzmöglichkeiten daneben für den Badewannenplausch. Der Raum davor wirkt durch dieses Spiel aus Konzentration und Offenheit noch großzügiger als die Raumgröße alleine vorgibt. Garniert ist dies noch mit kleinen Kunstwerken: Den Aufstieg zum Badeerlebnis sichert ein künstlerisch detailliertes Geländer aus Stahlstäben. Über dem Bett thront ein farbiges Geweih, auf dem Schwarzblechregal sitzt eine Nala-Figur.

Aber zurück zur Badewanne: In unterschiedlichen Konstellationen ist sie ein immer wiederkehrendes Motiv. einmal über, einmal neben dem Bett, mitten im Raum oder abgeschirmt. Oder mit goldenen Mosaikfliesen versehen. Viele Zimmer zeigen so ein Schlaf-Wasch-Aufenthalts-Raum-Kontinuum, wie es sich Hotelgäste oft für ihr Heim wünschen, aber es dann aus schnöden, praktischen Überlegungen nicht umzusetzen wagen.

Aus- und umgebaut hat das ehemalige Hotel Mozart ein Architektenteam rund um Armin Kathan, Ferdinand Reiter, Bernd Ludin und Martin Both, in Kooperation mit der Künstlerin Michaela Schweeger. Ursprünglich sollte dort ein Studentenheim entstehen. Dann entschieden sich die Betreiber für ein extravagantes Hotelkonzept mit angeschlossenem Restaurant. Eine Entscheidung, von der nun Innsbruck-Besucher profitieren.

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Adresse

Müllerstraße, 15
6020 Innsbruck
Österreich
www.nala-hotel.at