05.12.2022

Öffentlich

Hygiene-Museum in Dresden – ein Überblick

Kultur
Aussicht auf das Deutsche Hygiene-Museum vom Vorplatz aus, Foto: © Oliver Killig
Foto: © Oliver Killig

Das Hygiene-Museum in Dresden gibt es seit 1930. Es handelt sich um ein wichtiges öffentliches Forum für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Der Architekt ist Wilhelm Kreis. Die Generalsanierung und Modernisierung zwischen 2002 und 2019 ist auf Architekt Peter Kulka zurückzuführen. Das Ergebnis ist ein Dialog zwischen dem historischen Gebäude, der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Architektursprache.

Die Geschichte des Deutschen Hygiene-Museums

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden wurde im Jahr 1912 gegründet. Es widmet sich vielen verschiedenen kulturellen Bestreben. Der Bau in seiner heutigen Form wurde 1930 eröffnet und nach schwerer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut. Von 2001 bis 2005 folgte zuletzt eine grundlegende Sanierung inklusive Umbau. Heute gehört das Museum mit jährlich fast 300.000 Besuchenden zu den bestbesuchten Museen in Dresden. Es dient als beliebter Ausstellungs- sowie Veranstaltungsort.

Das Deutsche Hygiene-Museum mit Vorplatz und Ballwerfer, Foto: © Oliver Killig
Außenansicht des Gebäudes mit Vorplatz und Ballwerfer, Foto: © Oliver Killig

Der Industrielle und Odol-Fabrikant Karl August Lingner wollte im frühen 20. Jahrhundert eine „Stätte der Belehrung“ in Dresden schaffen. Diese sollte der Bevölkerung Wissen rund um Anatomie, Hygiene und gesunde Lebensführung vermitteln. Allerdings erlebte er die Eröffnung des Hygiene-Museum Dresden im Jahre 1930 nicht mehr. Im Rahmen der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden fand letztlich die Eröffnung statt.

Karl August Lingner im Jahre 1911, Foto: © Deutsches Hygiene-Museum
Karl August Lingner im Jahre 1911, Foto: © Deutsches Hygiene-Museum

Der „Gläserne Mensch“

Während der Weimarer Republik förderte das Deutsche Hygiene-Museum die Demokratisierung des Gesundheitswesens. Dabei war der „Gläserne Mensch“ die größte Attraktion. Er ist bis heute im Museum zu sehen. Seit 1933 folgte eine dunkle Zeit, in der das Museum in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenideologie geriet. Luftangriffe im Februar 1945 beschädigten das Museum schwer. Während der DDR-Zeit folgte ein schneller Wiederaufbau, der jedoch keine denkmalpflegerischen Aspekte berücksichtigte.

„Die gläserne Frau“ im Hygiene-Museum 1947, Foto: © SLUB / Deutsche Fotothek / Roger & Renate Rössing
Die „gläsernen Frau“ im Hygiene-Museum 1947, Fotos: © SLUB / Deutsche Fotothek / Roger & Renate Rössing
Seitenansicht der „gläsernen Frau“ im Hygiene-Museum 1947, Foto: © SLUB / Deutsche Fotothek / Roger & Renate Rössing

Die Suche nach der gesunden Stadt

Im Jahr 1903 fand die erste „Deutsche Städte-Ausstellung“ statt. Der 32-jährige sächsische Unternehmer Karl August Lingner hatte in diesem Rahmen eine Sonderausstellung zum Thema „Bekämpfung der Volkskrankheiten“ mitorganisiert. Er stellt sein bereits populäres Mundwasser Odol vor. Die Schau dabei war Vorläufer des 1905 gegründeten Deutschen Städtetags. Sie wurde in Dresden ausgetragen, da es sich um eine sehr gut organisierte sowie wohlhabende Großstadt handelte. Sie erregte mit dem Städtischen Vieh- und Schlachthof sowie mit der ersten deutschen Gartenstadt, Hellerau, viel Aufsehen.

Eine ODOL-Werbung um 1895, Foto: © Deutsches Hygiene-Museum
Eine ODOL-Werbung um 1895, Foto: © Deutsches Hygiene-Museum

Ein Ziel der Städtenetzwerke im frühen 20. Jahrhundert bestand übrigens darin, gesundheitsgefährdende Elemente der rasant wachsenden Industriestädte einzudämmen. Denn die großen Städte waren hoch verdichtet, schlecht durchlüftet und oft sehr ungesund. Dresden erwarb sich einen Ruf als gesunde Stadt und organisierte folglich ab 1911 unter Leitung von Lingner eine Internationale Hygiene-Ausstellung. Diese gilt dabei als bahnbrechend für die hygienische Volksaufklärung.

Der Architekt Wilhelm Kreis hatte vor dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden bereits die Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf gebaut. Auch der Ehrenhof, die Rheinhalle und die Rheinterrasse sind seine Werke. Hier lässt sich überall ein Streben nach Höhe, nach Moderne sowie nach der neuen Sachlichkeit erkennen.

Der Profanbau der Rheinhalle, heute Tonhalle genannt, nach Wilhelm Kreis in Düsseldorf, Foto: © Deutsche Fotothek / Paul W. John
Der Profanbau der Rheinhalle, heute Tonhalle genannt, nach Wilhelm Kreis in Düsseldorf, Foto: © Deutsche Fotothek / Paul W. John

Die Architektur vom Hygiene-Museum

Das Gebäude des Hygienemuseums wurde zwischen 1927 und 1930 von Wilhelm Kreis errichtet. Zwischen 2002 und 2019 arbeitete Architekt Peter Kulka an einer Generalsanierung und Modernisierung. Er bezog viele moderne Elemente mit ein, bemühte sich aber zugleich, das Gebäude in seinen Originalzustand zu versetzen. So ist ein Dialog zwischen dem historischen Gebäude aus der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Architektursprache entstanden.

Die Empfangshalle des Hygiene-Museums heute, Foto: © David Brandt
Die Empfangshalle des Hygiene-Museums heute, Foto: © David Brandt
Ein Saal im alten Hygiene-Museums um 1930, Foto: © SLUB / Deutsche Fotothek / Walter Möbius
Ein Saal im alten Hygiene-Museums um 1930, Foto: © SLUB / Deutsche Fotothek / Walter Möbius

Das Museumsgebäude befindet sich nahe der Dresdner Innenstadt. Es stellt einen imposanten Bau mit verschiedenen Stilelementen dar. Dazu gehören monumentale, klassizistische Elemente sowie der Stil der Neuen Sachlichkeit. Dies liegt daran, dass Architekt Wilhelm Kreis eine Neigung zum Repräsentativen und zum Monumentalen hatte. Er orientierte sich auch am damals verbreiteten Stil des Neuen Bauens, folgte aber zugleich einer traditionsorientierten Auffassung der Architektur.

Das Museum befindet sich am Rand des Großen Gartens als Verlängerung der Mittelachse. Es setzt sich aus mehreren streng gegliederten, Kubus-förmigen Bauten und Höfen zusammen. Der Mittelbau ist hoch und bietet mit seiner Fensterfront und den vorgestellten Pfeilern einen imposanten Eingang. Zwei versetzte Kopfbauten flankieren ihn, sodass ein Ehrenhof als Vorplatz entsteht.

Der Große Saal des modernen Hygiene-Museums, Foto: © David Brandt
Der Große Saal des modernen Hygiene-Museums ist auch von innen imposant. Foto: © David Brandt

Hinter der verglasten Eingangshalle folgen die Ausstellungsräume und bilden überdies einen großen Innenhof. Seit der Sanierung hat das Museum wieder eine kühle, weiße Farbe.

Die Wandelhalle des Hygiene-Museums, Foto: © David Brandt
Die Wandelhalle des Hygiene-Museums ist auf der einen Seite verglast, Foto: © David Brandt

Das Deutsche Hygienemuseum heute

Heute ist das Deutsche Hygienemuseum in Dresden für seine Mischung aus Neoklassik und Moderne bekannt. Es zählt als eine bemerkenswerte Leistung der 1920er Jahre für die Stadt Dresden, aber auch darüber hinaus. Die strenge, funktionale Architektur mit ihrer kühlen Schönheit spricht für die Ideale der Zeit und für die zunehmende Gesundheitsaufklärung im Volk.

In den 1930er Jahren präsentierte sich Deutschland unter anderem über das Hygienemuseum in Dresden als selbstbewusst, avantgardistisch und zugleich archaisch. Die demonstrative Zurückhaltung kontrastierte dabei mit der Monumentalität des Gebäudes, das beinahe triumphant wirkte. Somit handelt es sich um ein interessantes Schlaglicht auf die Situation von Deutschland in der Welt in den 1930ern.

Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum
Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum
Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum
Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum
Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum
Außenansicht des Hygiene-Museums um 1930, Fotos: © Deutsches Hygiene-Museum

Karl Lingner stellte das Hygiene-Museum Dresden in die Tradition der kantschen Aufklärungsdefinition. Dies sollte der Zweck sein: „Das Hygiene-Museum soll Stätte der Belehrung sein für die ganze Bevölkerung, in der jedermann sich durch Anschauung Kenntnisse erwerben kann, die ihn zu einer vernünftigen und gesundheitsfördernden Lebensführung befähigen.“

Wo früher Ausstellungen zur Anatomie des Menschen, zur gesunden Ernährung, zur persönlichen Hygiene sowie zur Gesundheitsvorsorge zu sehen waren, gibt es bis heute die Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“. Auch das „Kinder-Museum Unsere fünf Sinne“ folgt der Tradition des Museums.

Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ im Deutschen Hygiene-Museum, Foto: © Oliver Killig
Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ im Deutschen Hygiene-Museum, Foto: © Oliver Killig

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Sowohl der Zwinger als auch die Frauenkirche sind weitere eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten Dresdens und prägen die Stadt maßgeblich.

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