12.05.2022

Öffentlich

Holborn Community Center von 6a architects

von Bettina Krogemann
Foto: Johan Dehlin
Foto: Johan Dehlin
6a Architects verwandelten eine alte Sporthalle im Londoner Stadtteil Holborn in ein modernes Stadtteilzentrum. Kunst spielte bei dem Umbau eine wesentliche Rolle.
6a architects, Holborn Community Center, London
Blick in die Sporthalle, Foto: Johan Dehlin

Im dicht bebauten Londoner Stadtteil Holborn übernahmen 6a architects den Umbau und die Erweiterung einer eingeschossigen Turnhalle mit Anbau aus den in den Sechzigerjahren. Das Holborn Community Center wird von der Holborn Community Association betrieben, die sich einen kommunalen kulturgeprägten Ort der Begegnung für die Anwohner des Quartiers wünschte. 6a architects bezogen von Anfang an die in London lebende belgische Künstlerin Caragh Thuring in die Planung und Gestaltung des Projektes ein.

6a architects, Holborn Community Center, London
Emerald Street, Foto: Johan Dehlin
6a architects, Holborn Community Center, London
Fassadenkunstwerk von Caragh Thuring, Foto: Johan Dehlin

Muffige Turnhalle wird flexibles Gemeinschaftszentrum

Entstanden ist ein Gemeinschaftszentrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer neu strukturierten, flexibel und vielseitig nutzbaren Turnhalle. Außerdem mit einem zweigeschossigen Anbau, der Räume für Workshops, Fortbildung und gemeinschaftsfördernde Aktivitäten aufnimmt. Wichtig: Das rund sechzig Jahre alte Tragwerk des Bestandbaus in Beton wurde, soweit es ging, erhalten. Seine Strukturen und Spuren sind als geschichtsträchtige Relikte in das neue Layout des Holborn Community Center einbezogen. Im Sinne der Nachhaltigkeit standen gesunde Raumstrukturen im Fokus der Planung. Das bedeutet eine gute Lichtführung, natürliche Belüftungsmöglichkeiten und gute Wärmedurchgangskoeffizienten bei Wänden, Dach, Fenstern und Oberlichtern.

Ökologische Aspekte bestimmten auch den Außenauftritt: Die neuen Pflanzgefäße auf der Emerald Street werden mit einem effizienten einfachen Bewässerungssystem aus dem Holborn Community Center versorgt. Dabei unterstützen die Pflanzenarten die heimische Insekten- und Vogelpopulation.

6a architects, Holborn Community Center, London
Gemeinschaftsraum, Foto: Johan Dehlin

Kunst prägt das Holborn Community Center

Der Zugang zum Holborn Community Center liegt an der schmalen, im Rahmen des Projekts neu gepflasterten Emerald Street, deren Fassade komplett verglast ist. Zwei Schiebetüren im Erdgeschoss bilden das Entrée. Die Glasfront gestaltete die Künstlerin Caragh Thuring  als eine Art „architecture parlante“. Sie zeigt in Glas geätztes Mauerwerksmuster, das Thuring nach dem Vorbild der georgianischen Backsteinverbindungen der umliegenden Gebäudefassaden aus dem frühen 19. Jahrhundert entwickelt hat.

6a architects, Holborn Community Center, London
Treppenhaus, Foto: Johan Dehlin
6a architects, Holborn Community Center, London
Umkleiden, Foto: 6a architects/Isabelle Young

Die einzelnen „Backsteine“ tragen Wörter, Sätze, Textfragmente. Sie fand Thuring während ihrer Recherchen zur Geschichte des Viertels in Archiven der Holborn Community Association. Andere stammen von aktuellen Nutzern des Holborn Community Center, mit denen Thuring gesprochen hat. Einen Satz gibt es in allen Sprachen, die die Mitglieder der Holborn-Gemeinschaft sprechen. Es ist der Satz „Jeder ist willkommen“. Das Fassadenkunstwerk trägt den Titel „Great Things Lie Ahead“. Zu sehen ist die Glasinstallation von außen wie von innen. Von außen wirkt sie fast wie eine schützende, steinerne Wand, von innen dagegen durch das einfallende Licht filigran. Die Wörter scheinen ganz dünn auf der Glasfläche aufzuliegen.

6a architects, Holborn Community Center, London
Turnhalle mit Textilfries von Caragh Thuring, Foto: 6a architects/Isabelle Young

Alt und neu nebeieinander

Im Kopfbau zur Emerald Street hin sind auf zwei Stockwerken zusätzliche Gemeinschaftsflächen untergegracht. Man gelangt über Treppen zu ihnen, die im Untergeschoss auch Bindeglied zwischen alter und neuer Substanz des Holborn Community Center sind. Vom Souterrain wächst die Treppe aus den angerauhten Betonfundamenten des Bestandsbaus heraus. Der alte Beton kragt auch in anderen Räumen aus und kontrastiert mit den gekachelten Wänden in feinen Farbskalen und glatten Flächen der Neubausubstanz. Die hellen Mehrzweckräume im Erdgeschoss und im ersten Geschoss besitzen durchgängige Gestaltungselemente wie die weiß gestrichenen Stahlträger unterhalb der Decken. Die Stahlträger finden sich auch in der Sporthalle unterhalb der Oberlichter wieder.

6a architects, Holborn Community Center, London
Blick in die Umkleiden, Foto: 6a architects/Isabelle Young
6a architects, Holborn Community Center, London
Blick in die Turnhalle, Foto: 6a architects/Isabelle Young

Steinerner Fries aus Stoff

Aus einer dunklen, feuchten Turnhalle wurde eine freundliche, vom Tageslicht erfüllte Mehrzweckhalle. Sie ist nun für Ballsport genauso geeignet, wie für Tanz, Yoga, Qi-Gong oder Kinderturnen. Heute sorgt heute eine neue, leichter Stahlkonstruktion, die drei sattelartigen Glasdächer trägt, für einen ganz anderen Raumeindruck. Die Halle ist hell und freundlich. Im Sommer übernehmen Lüftungsöffnungen eine natürliche Belüftung. Und ein weiterer Kunstgriff verhalf dem Saal zu einem neuen Outfit mit praktischen Begleiterscheinungen. Auch er ist das ein Ergebnis der engen Zusammenarbeit von 6a architects und Caragh Thuring. Die mit Akustikplatten ausgekleidete Halle wurde in die obere Hälfte mit einem handgewebten Stofffries verhängt. Dieser wirkt zu einen dämmend. Zum anderen überträgt er das Backsteinmotiv von der Fassade des Holborn Community Center auch in die Innenräume.

Von einer Seite der Themse auf die andere: Peter Barbers bemerkenswertes Wohnhaus in der Peckham Road in Southwark. 

6a architects, Holborn Community Center, London
EG, Zeichnung: 6a architects
6a architects, Holborn Community Center, London
OG, Zeichnung: 6a architects
6a architects, Holborn Community Center, London
Perspektivische Ansicht, Zeichnung: 6a architects
6a architects, Holborn Community Center, London
Situationsplan, Zeichnung: 6a architects
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