Höhenwettbewerb in Holz

 

Australien schmückt sich gerne mit Superlativen. Ob das Bürogebäude, das bis Ende 2018 in der King Street in Brisbane entstehen soll, nun tatsächlich der höchste hölzerne Büroturm der Welt sein wird, wie sein Bauherr derzeit behauptet, ist aber eigentlich egal.

Denn ohne Frage ist das 45 Meter hohe Bürogebäude, das aus neun Stockwerken bestehen wird, ein bauliches Novum. Das australische Architekturbüro Bates Smart, das das Hochhaus entworfen hat, arbeitet mit einer Methode, die inzwischen weltweit als zukunftsträchtig gilt: Mit Brettsperrholz oder Cross Laminated Timber (kurz CLT), bei der mehrere Lagen an Holzlamellen unter großem Druck kreuzweise übereinander gestapelt und verleimt werden. Dadurch soll eine Standfestigkeit erreicht werden, die sich mit Beton und Stahl vergleichen lässt.

Holz-Hochhäuser: „Gut für die Gesundheit“

Ein Hochhaus also aus Holz und Leim anstatt Stahl und Beton – das soll etliche Vorteile mit sich bringen, sagen die australischen Bauherren. Laut einer Studie der australischen Umweltstiftung PlanetArk soll es gut für die Gesundheit sein, sich in einem Holzhaus aufzuhalten, der Baustoff soll Blutdruck und Herzfrequenz senken. Außerdem sei Holz deutlich umweltfreundlicher – das Material nachhaltig und eine Kohlenstoffsenke, während jede Tonne Beton für 900 Kilo an Treibhausgasen verantwortlich ist.

„Brettsperrholz hat einen deutlich geringeren Ausstoß an Kohlendioxid als andere Baumaterialien, der Produktionsprozess produziert keinerlei Müll und das Holz wird von zertifiziert nachhaltig bewirtschafteten Wäldern bezogen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Während der Bauarbeiten soll zudem weniger Lärm produziert werden und die Baumethode, die einem Legobausatz oder einem Ikea-Bausatz ähnelt, gilt als deutlich schneller als herkömmliche Methoden. Das Hochhaus in Brisbane soll so sechs Wochen früher fertig sein, als dies mit herkömmlichen Bauweisen möglich wäre.

Wie groß ist die Feuergefahr?

Die Baubestimmungen in Australien erlauben seit vergangenem Jahr höhere Holzbauten, doch eine Sorge bleibt – die Feuergefahr – und das nicht erst seit dem tragischen Feuer im Londoner Grenfell Tower, das zeigte, wie gefährlich es sein kann, brennbare Materialien beim Bau eines Hochhauses einzusetzen. Im 19. und 20. Jahrhundert waren es ebenfalls Feuer in Städten, die erst neue Baumaterialen wie Stahl und Beton hervorbrachten.

Laut Nick Hewson vom neuseeländischen Holzlieferer XLam müssen bei Holzbauten in Australien deswegen Sprinkleranlagen und feuerfeste Verkleidungen angebracht werden und wenn das Holz freigelegt ist, muss es dick genug sein. Denn dickes Holz könne man durchaus „längere Zeit Feuer aussetzen“, sagte der Experte dem Guardian.

„Zukunft der Bauindustrie“ im 21. Jahrhundert

Australien ist bei weitem nicht das einzige Land, das Hochhäuser aus Holz baut. In Indien plant ein französisches Architekturbüro bis 2020 sechs begrünte Holztürme und in Wien entsteht augenblicklich ein 84 Meter hohes Gebäude mit 24 Stockwerken, das einen Holzbauanteil von immerhin 75 Prozent haben wird. Österreich gilt auch als weltweit führender Produzent von Brettsperrholz. Das Produkt wurde dort 1996 von der Firma KLH Massivholz gemeinsam mit der Technischen Universität Graz entwickelt.

Die britische Universität von Cambridge hat sogar Pläne für ein 300 Meter hohes, 80-stöckiges Gebäude aus Holz vorgestellt, das in London entstehen könnte. Michael Ramage, der Direktor des Centres for Natural Material Innovation in Cambridge nannte die neue Holzbauweise gar die „Zukunft der Bauindustrie“ im 21. Jahrhundert. „Wir glauben, dass Menschen sich mehr zu höheren Gebäuden hingezogen fühlen, wenn diese aus natürlichen Materialien anstatt aus Stahl und Beton bestehen”, sagte er.

Auch bei der Beschaffung des Holzes sieht die Universität keine Probleme. Kanada alleine könnte in den kommenden 70 Jahren etwa 15 Milliarden Kubikmeter Holz aus bewirtschafteten Wäldern liefern, um eine Milliarde Menschen unterzubringen.