Highlights der iSaloni

„Nachhaltigkeit“ ist ein abgenutztes Wort. Das liegt vielleicht daran, dass die Baubranche damit geradezu um sich wirft: Unzählige Zertifikate, Rekordzahlen und Innovations-Meldungen haben den Klang des (im Wesentlichen ja ganz guten) Begriffs schon längst abstumpfen lassen. Umso besser, dass auf der Möbelmesse iSaloni in Mailand keiner davon gesprochen hat. Und trotzdem scheint das Wort – oder die Idee dahinter – in den Köpfen der Designer und Hersteller inzwischen verankert zu sein. Das äußerte sich auf der Messe aber nicht durch irgendwelche Öko-Siegel. Sondern, eher unterschwellig, durch Konzepte, die für Dauerhaftigkeit stehen. Etablierte Anbieter wie Newcomer schaffen diese Dauerhaftigkeit in ihren Entwürfen vor allem mit zwei Mitteln: Sie bieten Systeme an, die in Zukunft umgenutzt, ja umgebaut werden können. Und Designs, die zeitlos sein und somit lange in unseren Wohnzimmern stehen sollen. Nachhaltigkeit ohne Plakette sozusagen.

Klingt vorbildlich. In Wirklichkeit sind dies aber schlicht die Grundlagen guten Designs. Schließlich unterscheidet dieses sich von Möbeln aus Einrichtungshäusern nicht nur durch den entwerferischen Anspruch, sondern auch durch Qualität und Langlebigkeit – in Sachen Material und in Sachen Erscheinungsbild. Und welcher Designer strebt nicht danach, dass sein Objekt irgendwann mal in den Klassiker-Status erhoben wird?

Langlebigkeit ist also das Ziel. Und da geben sich die Architektur und das Möbel-Design die Hand. Denn auch in Gebäudeentwürfen steht der Lebenswandel im Vordergrund: Grundrisse werden immer flexibler, Häuser und sogar Wohnungen werden so geplant, dass Generationenwechsel und Altwerden kein Problem mehr sind. Zum Beispiel indem tragende Wände sich komplett in die Außenwände verlagern. So kann innen – bei Bedarf – eine Wand rausgerissen und an anderer Stelle hochgezogen werden. Kein Wunder also, dass die Möbelindustrie ähnlich flexibel denkt. Wenn die Wand wandert, muss das horizontale Sideboard vielleicht auch Vertikal funktionieren. Und Mailand hat bewiesen: Alles ist möglich.

Aber wie sehen jetzt die designerischen Antworten auf dieses sich ständig ändernde Leben aus? Modular, hauptsächlich. Werner Aisslinger zum Beispiel (von dem ja auch der ganz flexible „Loft Cube“ stammt) entwarf so ein Möbel für Flötotto: Das System „ADD“ kann als Beistelltisch oder Sideboard genutzt werden. „Funktionsprinzip Einfach“: Es gibt einen Rahmen und Wandelemente, die sich per Druckknopf zusammen-clipsen lassen: So ist das Regal schnell montiert. Und auch in Sachen Couch wandelt sich das Bild von schweren und unflexiblen Sitzgelegenheiten: Aus einzelnen und leicht zusammenfügbaren Modulen besteht zum Beispiel „Graf“ von MDF Italia, bei dem aus acht unterschiedlichen Elementen Zwei- oder Dreisitzer oder auch ganze Sitzlandschaften gebaut werden können. Nicht nur für den Umbau, auch für Änderungen der „Laune“. Wieder ein echt simples Prinzip.

Simpel scheint somit also auch „nachhaltig“ zu sein: Wenige Materialien, die leicht zu transportieren sind, machen den Umbau gut mit. Das trifft zum Beispiel auf den Stuhl „Compass“ von Kristalia zu. Dessen wenige Einzelteile wurden auf der Messe an die Wand gehängt: Sitzschale, Stuhlbeine, Auskreuzung – das war’s. An der Auswahl an Produkten, die uns das Leben und die unbekannte Zukunft einfach machen können, mangelt es nicht. Im Gegenteil: Es gibt eine Vielzahl an (guter) Konkurrenz unter den Herstellern. Tatsächlich (Achtung, da kommt das Wort schon wieder) „nachhaltig“ bleiben aber nur die Objekte, die wir in 20 Jahren noch diskutieren. Welches sich bis dahin gehalten hat, und nicht wieder vom Markt verschwunden ist, können wir dann vielleicht in Mailand sehen.

In Kooperation mit lightlive