06.05.2014

Öffentlich

Was wird aus Eero Saarinens TWA-Center?

von Alexander Gutzmer

Es hätte wirklich schön werden können. Der Hotelier André Balazs war kurz davor, den phantastischen, vielleicht weltschönsten Flughafenbau zu übernehmen und in ein spektakuläres Hotel zu verwandeln. Schade: „André Balazs Properties“ wurden sich mit der „Port Authority of New York and New Jersey“ letztlich nicht einig.Eero Saarinens phantastisches „TWA Flight Center“ am Flughafen JFK wird also kein weiteres der bisher schon interessanten Kette an „Standard“-Hotels.

Immobilienmogul Balazs, bekannt als Ex-Verlobter der Schauspielerin Uma Thurman, hat schon zwei Standard-Hotels in New York: einen umgebauten Büroturm über der High Line, ein weiteres nahe der Bowery. Zwar ist der Service in seinen Tempeln der Nächtigung teils anstrengend snobby. Doch mit Immobilien aus der Moderne-Hochzeit umgehen kann Balazs. Wer mal in seinem Hotel in Downtown Los Angeles quasi zwischen Wolkenkratzern und landenden Flugzeugen im Outdoor-Pool umher geschwommen ist, wird das bezeugen.

Das Gebäude war früher die Firmenzentrale der „Superior Oil Company“. Gebaut hatten den zwölfstöckigen Modernismustempel die Architekten Claud Beelman und William Simpson. Balazs hat daraus einen retro-modernistischen Komplex gemacht, der trotz Umwidmung viel von seinem Charme behält. Ich hätte ihm einen guten Job auch beim New Yorker TWA-Flugzentrum zugetraut.

Und der ist nötig. Allzu leicht können umgewidmete Flughafen-Areale ihren Charakter als Ausweise einer techno-euphorischen Geschwindigkeitsanbetung verlieren. Und das ist schade. In Flughäfen, gerade in solchen aus den 1960er und -70er Jahren, begegnet uns der naive Optimismus der Jet-Moderne. Saarinens Bau repräsentiert das – bisher – auf phantastische Weise. Ein ähnliches Beispiel ist natürlich der Berliner Tegel-Flughafen. Als reale urbane Infrastruktur ist der heute überfordert. Als Symbolkomplex hat er jegliches ästhetische Potenzial, das Berlin der mittleren Nachkriegszeit ins emotionale Gedächtnis zu rufen.

Mal abwarten, wie sich die Pläne zu dessen Nachnutzung weiter konkretisieren (und, nun ja, ob sie jemals aktuell werden). Fest steht: ein Technologiepark soll daraus werden, eine „Urban Tech Republic“. Das klingt eher nach schnell scheiternden Berliner Gegenwartshoffnungen als nach Sensibilität für die Träume der Vergangenheit.

Und New York? Nun, die Port Authority spricht jetzt unter anderem mit Trump International. Ob das aber jetzt so gut ist…

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