Hamburg, Strandhotel Blankenese

Das Hamburger Strandhotel Blankenese ist da schön, wo es auf Designgags verzichtet. Ortsbesuch bei einer grazilen alten Dame. Dieses Ei. Wenn da nur dieses Ei nicht wäre. Ich sitze beim Frühstück im Hamburger Strandhotel Blankenese, gucke auf die Elbe, die Möwen kreischen, alles ist gut. Außer diesem seltsamen und komplett nutzlosen, eiförmigen Designobjekt, das da neben meinem Cappuccino steht und aus dem eine ebenso nutzlose Zierpflanze herauslugt. Es gibt einige solcher Kauzigkeiten in dem 2009 umgestalteten Traditionshaus im Hamburger Edelstadtteil Blankenese: etwas zu kokette Kristallleuchter an der Decke, die zu ihrem eigenen Klischee verkommene Lounge-Musik im Frühstücksraum. Solcherlei ist wohl Tribut für den Titel „Designhotel“, den sich das Strandhotel an sein makellos weißes Revers heftet.

Doch auch wenn sie so wenig nötig sind wie der pseudolustige Klingelton des Handys, mit dem später der Mann neben mir auf einer Elbbank dauertelefonieren wird: Sie dominieren zum Glück nicht den Gesamtauftritt dieses charmant unprätentiösen Etablissements. Blankenese, das ist demonstrative hanseatische Selbstsicherheit. Diese verströmt das Strandhotel in guten Momenten auch. Die Farbgestaltung der Zimmer nimmt sich angenehm zurück. Grau und Braungrau-Töne werden zum passenden Hintergrund für das wahrhaft Spektakuläre an diesem Hotel: die Aussicht auf die nur rund 50 Meter entfernte Elbe. Schön, wenn ein weißer Lounge Chair mal nicht sinnlos herumsteht, sondern in einer Nische, in der man tatsächlich nichts lieber tut als loungemäßig abzuhängen und stundenlang den Containerriesen auf der Elbe beim Ein- und Ausfahren zuzusehen. Auch wird jede Bebilderung von Zimmern oder dem cool gestalteten Aufenthaltsraum zur Nebensache, wenn diese Repräsentanten der globalen Containerökonomie lautlos an den angenehm großen Fensterfronten vorbeiziehen. Gut ist dieses Haus immer da, wo es seine Unverwechselbarkeit ausspielt. Nur wenige deutsche Stadthotels ermöglichen eben einen Strandspaziergang. Und wenn man nach einem Marsch am Elbstrand zurückkommt und dieses ungemein lässige Jugendstilpalais sieht, freut man sich, den etwas weiteren Anfahrtsweg aus der Innenstadt in Kauf genommen zu haben. Also: Checkin empfohlen. Sie können ja das Designei vom Frühstückstisch stellen – oder den Kaffee gleich mit in den Terrassengarten nehmen.

Adresse

Strandhotel Blankenese
Strandweg 13
22587 Hamburg
www.strandhotel-blankenese.de