Hamburg, Hotelschiff Cap San Diego

In Aschau kann man im Bauernhaus wohnen (B 6/2009), in Wien im Puff (B 9/2001), in Hamburg auf einem Feuerschiff (B 7/1999) oder – darüber berichten wir diesmal – auf einem noch fahrbereiten Handelsschiff, das bis Anfang der achtziger Jahre hauptsächlich Südamerika angelaufen hat. Damals kostete die mehrwöchige Passage auf dem „schnellen Stückgutfrachter“ der Reederei Hamburg-Süd zwischen 4.000 und 7.500 Mark. Dafür bekam man eine geräumige Einzel- oder Doppelkabine und Auslauf in einen türkisfarbigen, ovalen Speisesaal, einen aussichtsreichen Salon unter der Brücke, eine Bibliothek und zu einem kleinen Pool. Außerdem gab es jede Menge frische Luft auf den Decks, wo man den Matrosen bei der Arbeit zusehen konnte, und sicher auch ab und zu ein Quantum Seekrankheit. Seit 1986 liegt die Cap San Diego fest vertäut an der Überseebrücke, trotz kabbeliger Elbe steif wie einbetoniert. Ein Museumsverein unterhält das Schiff, das schon einige Millionen Instandhaltungskosten verschlungen hat. Denn Stückgutfrachter gehen nicht mehr auf Große Fahrt. Statt deutscher Matrosen, die dabei dieWelt beim Landgang kennenlernen, heuern aus allerWelt zusammengewürfelte Mannschaften an, die binnen weniger Stunden die Container-Ladung löschen und weiterschippern.

Um so mehr wünscht sich der Gast des Museumsschiffs, authentische Atmosphäre zu schnuppern. Aber dazu hätte es Mittel der Denkmalpflege bedurft. Von Caesar Pinnaus Handschrift, der 1961/62 das Schiff eingerichtet hat, ist noch vieles ablesbar, diese konservative Gediegenheit, mit der der anpassungsfähige Architekt zwischen Nazis, internationalem Stil und Postmoderne Erfolg hatte. Leider trübt nun jeder Baumarkt-Wasserhahn, jede Reihenhauleuchte, der lieblos abgestellte Fernsehapparat oder Kühlschrank, die man in seiner Kabine findet, den Genuss des Schiffsliebhabers. Hier hätte man sich ohne große Mehrinvestition bei den segelkundigen Hamburger Architekten Rat holen können. Gerade weil heute Passagierschiffe wie schwimmende Apartmentsilos aussehen, wünscht man sich unverfälschte maritime Architektur. Deshalb sollte man auf jeden Fall in die einige Geschosse tief reichenden Labyrinthe von Maschinenraum undWellentunnel klettern. Hier erinnert nichts mehr an die Seefahrt, es könnten, abgesehen von der Enge, auch Maschinenhallen bei Krupp oder AEG sein.

Die fest angestellten und freiwilligen Helfer des Vereins bosseln täglich lautstark an dem alten Kahn herum. Eine leicht rumorende Dauerlüftung sorgt inzwischen für den Komfort in der Kabine, aber mit etwas Geschick und dem bereitliegendenWerkzeug kann man auch eines der seewasserdichten Messingfenster aufschrauben oder zur Nacht die innen versenkte Lamellenblende herausfahren. Die Schapps und Laden bieten genügend Stauraum, alles ist unverrückbar verschraubt. Die Türen rasten ein, wenn man sie ganz öffnet, das Bett ist eine Koje, mit gemütlicher Umrahmung. Schade, dass keine Sturmflut ist!

Adresse

Hotelschiff Cap San Diego
Liegeplatz Überseebrücke, Hamburg
www.capsandiego.de