Gibt es bald nur noch „nachhaltige Architektur“

„Green Buildings“ seien doch nur ein Marketing-Gag, hieß es in Investorenkreisen vor gar nicht allzu langer Zeit. Energieeffiziente Gebäude seien teurer als herkömmliche, und den Mehrpreis zu bezahlen lohne sich nur, wenn man ihn in Form von höheren Mieten an die Nutzer weitergeben könne, sagten sie. Weil das nicht immer möglich ist, haben Investoren lange Zeit allein aus Renditegründen einen weiten Bogen um nachhaltiges Bauen gemacht.

Das war einmal. In nur wenigen Jahren hat sich der Markt völlig gedreht, grüne Investments wachsen inzwischen schneller als der Gesamtmarkt. Laut einer Studie des Immobilienunternehmens BNP Paribas Real Estate wurde 2014 so viel in Green Buildings investiert wie nie zuvor. Von den rund 27,9 Milliarden Euro, die letztes Jahr deutschlandweit in gewerbliche Einzel-objekte angelegt wurden, entfielen knapp 5,3 Milliarden auf zertifizierte Gebäude. Fast jeder fünfte Euro wurde demnach in nachhaltige Immobilien gesteckt. 2008, als erstmals zur Zertifizierung angemeldete Bauten verkauft wurden, lag der Anteil noch bei gut fünf Prozent.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Immobilienbranche allmählich ihr grünes Gewissen entdeckt. Manche Investorengruppen unterliegen gesetzlichen Auflagen und Regulierungen und müssen deshalb ihre Investitionen besonders sorgfältig auswählen. Laut BNP Paribas Real Estate haben beispielsweise offene Immobilienfonds 2014 knapp die Hälfte ihres investierten Kapitals für nachhaltige Immobilien ausgegeben. Ähnlich haben auch Versicherungen und Staatsfonds investiert, bei denen gut 37 beziehungsweise 35 Prozent in grüne Objekte flossen. Makler berichten außerdem, dass Mieter von Gewerbeimmobilien immer öfter gezielt nach zertifizierten Objekten fragen. Jedes große Unternehmen hält sich mittlerweile an einen Corporate-Governance-Kodex oder andere Leitlinien einer guten Unternehmensführung, und diese enthalten oft auch Umweltrichtlinien. So wird eben nicht nur Recyclingpapier für den Bürodrucker gekauft, sondern auch ein energieeffizientes Firmengebäude angemietet. Dies wird in den kommenden Jahren zunehmen, prognostiziert ein Marktkenner. Seiner Beobachtung nach legt vor allem die vielzitierte Generation Y Wert auf Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Und deren Vertreter rücken allmählich auf Positionen in Unternehmen vor, wo sie über Ankauf oder Anmietung von Liegenschaften entscheiden.

Große Investoren und Asset Manager reagieren bereits auf die wachsende Nachfrage: Wurden anfangs fast nur für Neubauten Nachhaltigkeits-Plaketten, vor allem DGNB, vergeben, werden aktuell immer mehr Bestandsgebäude nachgerüstet – in der Hoffnung, die Vermarktungs- und Nachvermietungschancen für ältere Objekte zu erhöhen. 2014 lag der Anteil der Bestandsobjekte an den neu zertifizierten Gebäuden bei gut 30 Prozent.

Ob es irgendwann nur noch Green Buildings gibt? Branchenbeobachter beantworten diese Frage mit einem klaren Ja. In großen Städten wird schon heute kaum noch ein Neubauobjekt ohne Zertifikat errichtet. Allein die so genannten „Big Seven“ des deutschen Immobilienmarkts – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – kommen auf einen Marktanteil von über 80 Prozent. Spitzenreiter ist München, wo letztes Jahr über eine Milliarde Euro in zertifizierte Gebäude investiert wurde, so etwa in das Einkaufszentrum „Mona“ mit Leed-Gold-Zertifikat. Nachhaltige Investitionen werden also in Zukunft nicht mehr die Ausnahme sein, sondern die Regel.