Fast wie ein Apple Store

Das Museum of Modern Art in New York feierte seine Wiedereröffnung: Vier Monate dauerte der Um- und Anbau. Dieser war auch dringend nötig bei drei Millionen Besucher pro Jahr. Neben der neuen Architektur wartet das Museum aber auch mit einem neuen Ausstellungskonzept auf. 

MoMA Geffen
Der neue "David Geffen Wing" kostete 450 Millionen Dollar. (Foto: Eva C. Schweitzer)

Größer, schöner, teurer: Am Montag, dem 21. Oktober 2019, wurde das Museum of Modern Art on New York wiedereröffnet; nach einem vier Monate dauernden Umbau und einem neuen, 450 Millionen Dollar teuren Flügel, dem „David Geffen Wing“. Der Wing ist nach dem kalifornischen Musikmilliardär benannt, der 100 Millionen Dollar für den Neubau spendierte (David Rockefeller, dessen Mutter Abby Aldrich das Museum vor 90 Jahren gegründet hat, gab 200 Millionen Dollar).

Der Flügel, an der Westseite des Hauses in der West 53rd Street errichtet, reicht bis in die Untergeschosse eines gleichzeitig errichteten Wohnhochhauses von Jean Nouvel. Ihm fiel — zum  großen Ärger der Denkmalschützer — das Gebäude des American Folk Art Museum zum Opfer. Keine Überraschung bei einem Museum, das dem Who ’s Who der New Yorker Immobilienindustrie verbunden ist (das American Folk Art Museum selbst kam inzwischen am Columbus Circle unter).

Mit dem Neubau wird die Ausstellungsfläche eines der größten Kunstmuseen der Welt um ein Drittel erweitert, um knapp 5000 Quadratmeter. Das MoMA verfügt nun über mehr als 60 Galerien auf sechs Stockwerken, eine endlose Folge von Räumen. Die Architekten sind Diller Scofidio + Renfro, bekannt durch die „Highline“ und die Renovierung des Lincoln Centers, zusammen mit dem global operierenden Büro Gensler.

Drei Millionen Besucher pro Jahr

Nicht jeder ist restlos begeistert. Der Architekturkritiker der New York Times, Michael Kimmelman fand die Gestaltung zwar intelligent und präzise, fast wie ein Apple Store, aber „ein wenig seelenlos“. Das MoMa habe den Block in einen Canyon aus Stahl und Glas verwandelt, der einen an das „Hauptquartier von Darth Vaders Hedgefonds“ erinnere. Dunkel ist aber nur die Fassade. Von innen ist der Neubau lichtdurchflutet; die Galerien, eine Serie heller Räume, die sich um die Lobby gruppieren, geben den Blick auf den Skulpturengarten frei. Auch die Lobby wurde erweitert; Besucher betreten das Museum nun nicht mehr durch einen dunklen Gang, sondern durch eine helle Halle. Zudem wurde ein Schaufenster eingefügt, wo die Vorbeiwandelnden einen Blick auf die Exponate erhaschen können. Es gibt auch ein Terrassenrestaurant im sechsten Stock.

Die Erweiterung war notwendig, weil das Museum mit drei Millionen Besucher im Jahr überlaufen war. Sie dient aber auch einer neuen Präsentation der Kunstobjekte. Zudem sollen die Galerien nun alle sechs Monate anders gemischt und aus Beständen, aber auch Neuerwerbungen ergänzt werden; eine fortlaufende Rotation. Das MoMA verfügt über eine gewaltige Sammlung von 140.000 Kunstobjekten, von denen die meisten bisher im Archiv verborgen blieben. Die Rotation wird von den Kuratoren viel Arbeit erfordern, übrigens auch viel Orientierungsvermögen von den Besuchern.

Architektur als Schwerpunkt

Wie schon bisher, ist Architektur ein Schwerpunkt des MoMA. Sie findet hier in allen Medien und Ausdrucksformen statt, von Gemälden über Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Videoendlosschleifen, Filmausschnitten und Ton-Elementen. Zu den Exponaten gehören beispielsweise Stücke der Sammlung von Frank Lloyd Wright, darunter ein Modell des Guggenheim-Museums, das am Central Park liegt. In einer anderen Galerie ist Marcel Duchamp ausgestellt. Ein Raum ist der Moderne der dreißiger Jahre gewidmet, mit Plakaten von Fritz Langs „Metropolis“, Filmausschnitten aus „Berlin — Symphonie einer Großstadt“, dem Entwurf von Mies van der Rohes geplantem Turm an der Berliner Friedrichstraße, auch Zeichnungen von El Lissitzky und Stadtmodelle von Le Corbusier. Auch ein Exemplar der Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky findet sich dort. Das Museum will die Präsenz von Künstlerinnen verstärken. Der größere Teil des neuen MoMa sind Bestandsobjekte, es gibt aber auch einige Neuerwerbungen, beispielsweise eine raumhohe Skulptur der Künstlerin Sheila Hicks.

Das Museum mischt nun auch Kunst über Zeitspannen und Kontinente. Vincent van Goghs „Sternennacht“ wurde kontrastiert mit den schrägen Tontöpfen von Georg Ohr aus Mississippi, der „wilde Töpfer aus Biloxi“. Und Pablo Picassos „Les Demoiselles d’Avignon“ hängen nun neben einem Bild der amerikanischen Künstlerin Faith Ringgold, das die Rassenkriege der sechziger Jahren im New Yorker Stadtteil Harlem zeigt.

MoMA stetig erweitert

Ursprünglich sollte Elizabeth Diller das neue MoMA bauen, aber das Museum konnte sich für ihren großformatigen Entwurf nicht erwärmen. Die Erweiterung durch Diller Scofidio + Renfro ist nicht die erste seit der Gründung 1939, als das Gebäude erst sechs Stockwerke hatte und mit Marmor umkleidet war. In mehreren Schüben hat das Museum inzwischen fast den gesamten Block in Manhattan erobert, eingeschlossen einen Wohnturm für betuchte New Yorker. In den sechziger Jahren hat Philip Johnson hier gebaut, danach Cesar Pelli. Der letzte Umbau geschah 2004 durch den japanischen Architekten Yoshio Taniguchi. Auch dieser Neubau dürfte nicht der letzte sein.