Neuordnung des Kölner Dom-Umfelds

Schmuddelecken und düstere Unterführungen prägten das Umfeld von Kölner Dom und Hauptbahnhof noch bis vor wenigen Jahren. Derartige Angsträume gibt es zwar noch – man denke nur an die Passage unterhalb der Gleiskörper – doch sie haben sich deutlich reduziert.

Domplatte von Fritz Schaller

Die meisten Kölner kennen ihren Dom nur als Bekrönung der Domplatte. Sie geht auf Fritz Schaller zurück, der den weltberühmten Sakralbau 1968 „aus der räumlichen Isolierung befreien“ und „in das Stadtgefüge integrieren“ wollte. Die wenigsten erinnern sich noch an den Domhügel, den es hinaufzusteigen galt, und an die breite Freitreppe, die schließlich zum Hauptportal führte.

Schaller schuf ein Fußgänger-Plateau, das sich auf der Höhe der Kirchenportale befindet. Doch die unmittelbare Domumgebung hemmte den Bewegungsfluss und offenbarte etliche stadträumliche Mängel. Deswegen überführte Schallers Sohn Christian 2005 das skulpturale Treppenwirrwarr, das hinab zum Bahnhofsvorplatz führte, in eine siebzig Meter breite Freitreppe. Dieser Eingriff lief aber lediglich darauf hinaus, eine einzige Gelenkstelle zu verbessern – wenngleich eine wichtige.

Neuordnung von Allmann Sattler Wappner

2002 wurde ein Workshopverfahren ausgerichtet, um das schwierige Domumfeld bestehend aus Hauptbahnhof, Ludwig-Museum, Philharmonie, Römisch-Germanischem Museum und Dom-Hotel endgültig neu zu ordnen. In dem Verfahren setzten sich damals die Münchner Architekten Allmann Sattler Wappner gegen OMA durch. Das Planungskonzept der Stadt Köln legte fest, „lesbare räumliche Situationen mit Aufenthaltsqualitäten öffentlicher Räume“ zu erzeugen, „mit wenigen präzise gesetzten Interventionen und Materialien.“

Doch erst elf Jahre später begannen die Bauarbeiten. Der nun vollendete Bauabschnitt (von insgesamt vier) an der östlichen Domumgebung entspricht dem Ziel, „durch Reduktion das Bestehende wieder sichtbar zu machen“. Teile der Domplatte und der späteren Überbauung am Museum Ludwig wurden entfernt, um den Bau im städtischen Kontext wieder besser sichtbar zu machen.

Zum Entwurf der Münchner gehörte ebenso, fußgängerfreundliche Bereiche zu schaffen sowie den am Museum Ludwig und der Philharmonie vorbei fließenden Verkehr zu reduzieren. Die unter dem Museum hindurchführende Passage erleuchtet nun hell und freundlich, während eine geschwungene Treppe hinauf zur Domplattform leitet. Auf der gegenüberliegenden Seite führt eine neue Freitreppe zum Museum Ludwig.

Lichtinstallation von Mischa Kuball

Am unteren Ende der geschwungenen Treppe erweiterten Allmann Sattler Wappner den Bürgersteig zu einem kleinen Platz, um das frühchristliche Baptisterium wieder sichtbar zu machen: den ältesten Taufort nördlich der Alpen.

Seit den 80er Jahren wurde das Taufbecken durch den Neubau des Museums Ludwig verdeckt. Wo es früher laut und eng war, ist es nun licht und luftig – nicht zuletzt durch eine Lichtinstallation von Mischa Kuball. Sinnbildhaft gilt das auch für das einst schwierige Scharnier zwischen Dom und den Kultureinrichtungen.

Fotos: Brigida González