Der Roboter strickt das Dach

In Londons Victoria and Albert Museum stoßen Besucher seit einiger Zeit unvermittelt auf die Zukunft des Bauens. Wenn sie sich zwischen ihren Rundgängen eine Pause im grünen Innenhof des Museums gönnen, macht dort ein merkwürdiges Gerät auf sich aufmerksam: In einer Hofecke strickt ein Roboter hektisch mit zackigen Bewegungen an einem Pavillon: Kunststoffbänder werden in Windeseile um vieleckige Stahlformen geflochten und stellen die Bauteile her. Diese sind doppelschalig aufgebaut und weisen eine gekrümmte Geometrie auf, die Ober- und Unterschalen sind durch säulenartige Stützelemente verbunden.

Die Idee stammt aus der Natur, von der Beschaffenheit der Deckflügelschalen flugfähiger Käfer. Umgesetzt wird dies in einem Flechtwerk aus in Harz getränkten Glas- und Karbonfasern, das leicht und robust ist, gleichzeitig aber auch material- und gewichtssparend. Bei dem Roboter handelt es sich übrigens um ein Kuka-Gerät eben der Firma, die derzeit in den Schlagzeilen ist, da sie an den chinesischen Haushaltskonzern Midea verkauft wird – ein eindrucksvoller, nimmermüder Bauarbeiter.

Studierende und Forscher mehrerer Uni-Institute sind an dem Projekt beteiligt: Achim Menges mit Moritz Dörstelmann (ICD Universität Stuttgart, Achim Menges Architekt), Jan Knippers (ITKE Universität Stuttgart/ Knippers Helbig Advanced Engineering), Thomas Auer (Transsolar Climate Engineering/TUM).

Zu sehen bis 16. November im V & A, London

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Fotos: Iain Aitchison