Zwei Büroentwürfe von Gonzalez Haase AAS

Das Architekturbüro von Pierre Jorge Gonzalez und Judith Haase hat zwei Büros in Berlin und München gestaltet, die unterschiedliche Lösungen mit dem gleichen Materialkanon formulieren.

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Bureau Borsche, Foto: Gerhardt Kellermann/Wagner Living

 

„Beide Entwürfe sind Variationen über das gleiche Thema“ sagt Pierre Jorge Gonzalez. Gemeinsam mit seiner Partnerin Judith Haase hat er zwei neue Büroprojekte in Berlin und München umgesetzt, die viele Gemeinsamkeiten haben, aber in ihrer Wirkung doch sehr verschieden sind. Beide Büros plante Gonzalez Haase AAS für Kreativagenturen: in Berlin für die Marketing- und Kommunikationsspezialisten BAM, in München für den renommierten Grafikdesigner Mirko Borsche, der unter anderem für das Layout des ZEIT Magazins verantwortlich zeichnet. Beide Gestaltungskonzepte sehen eine große Gemeinschaftsarbeitsfläche vor, bei beiden wird diese von einem enorm langen Arbeitstisch aus Aluminium beherrscht, an dem alle Mitarbeiter ihren Platz finden. Ebenfalls in beiden Büros finden sich große Einbauten, die aus einer Aluminium-Rahmenstruktur und einer transparenten Membrane aus Polycarbonat bestehen. Im Büro von BAM findet sich diese Materialkombination an zwei großen mehrteiligen Schiebetüren, die als Raumteiler fungieren. Im neuen Studio von Mirko Borsche bestehen die Rückseiten des raumteilenden Aluminiumregals aus Polycarbonat.

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BAM Berlin, Foto: Thomas Meyer/Ostkreuz

 

Kunstvolle Kunstlosigkeit

Man könnte im Detail noch weitere Gemeinsamkeiten finden, doch interessanter ist es auf die Unterschiede hinzuweisen. Die Agentur BAM residiert in zwei langgestreckten, übereinanderliegenden Sälen eines Neubaus, die durch zahlreiche Fenster an einer Längs- und einer Stirnseite viel natürliches Licht erhalten. Hier entschieden sich die Architekten dafür, die Decken als Lärmschutz mit dunklen Akustikpaneelen aus zementgebundenen Holzwolle-Leichtbauplatten zu verkleiden, wobei die rohe Anmutung des Materials durch die kunstlos wirkende Montage noch unterstützt wird. Aussparungen für die Deckenbeleuchtung sind ganz pragmatisch aus den Platten ausgeschnitten.

Das neue Studio von Mirko Borsche ist dagegen im Hinterhaus eines Gründerzeitgebäudes untergebracht. Der tiefe Raum wird von Fenstern an beiden Stirnseiten erhellt, jedoch ist die Fläche signifikant dunkler als das BAM-Office. Deshalb haben Gonzalez Haase AAS die Decke hier geweißt und eine indirekte Beleuchtung unsichtbar in abgehängten Kabeltrassen untergebracht.

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Bureau Borsche, Foto: Gerhardt Kellermann/Wagner Living

 

Systematischer Ansatz

Genauso unsichtbar ist das raffinierte Verbindersystem, dass Gonzalez Hasse AAS gemeinsam mit Designer Stefan Diez für den Stuhlfabrikanten Wagner aus Langenneufnach entwickelt haben und dessen erster Prototyp im Studio von Mirko Borsche zur Anwendung gelangt. Diez hat für Wagner bereits das vielfach ausgezeichnete Stuhlsystem D1 entworfen. Seit einiger Zeit reifte bei dem Unternehmen der Wunsch die Stühle mit passendem Mobiliar ergänzen zu können – allerdings ohne selbst in größerem Umfang in die Möbelfertigung einzusteigen. Das System, dass Gonzalez Haase AAS gemeinsam mit Stefan Diez und seinem Team entworfen, ist in seiner Simplizität bestechend: Alle Einrichtungsteile werden mit dem gleichen Verbindersystem zusammengefügt. Im Bureau Borsche sind diese Verbindungselemente aus poliertem, vollmassivem Aluminium gefertigt und halten Wabenplatten, die ebenfalls aus Aluminium bestehen.

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Bureau Borsche, Foto: Gerhardt Kellermann/Wagner Living

 

Inzwischen hat das Studio von Stefan Diez die Verbinder zu einer deutlich ökonomischeren Kunststoffversion weiterentwickelt. Sie kann ohne Werkzeug in handelsübliche Aluminium-Leichtbauplatten eingeklickt werden. Die Verbinder fixieren, etwa bei einem Regal, die Rückwände sowie L-Profile, in die wiederum Regalböden eingehängt werden. U-Profile dienen zur Abdeckung der Verbinder. Diez, Gonzalez und Haase sind fasziniert von der Universalität des Systems, das im nächsten Entwicklungsschritt auch für weitere Leitbaumaterialien nutzbar gemacht werden soll. Die Entwickler erhoffen sich ein für Baukastensystem bisher ungekanntes Maß an Freiheit, dass es beispielsweise Schreinern erlauben soll, mit geringem Aufwand und dem bevorzugten oder verfügbaren Material variable und nachhaltige Möbel zu bauen. Es wäre also gut möglich, dass den beiden Büros für BAM und Mirko Borsche bald noch weitere Variationen über das gleiche Thema folgen – nicht zwangsläufig von Pierre Jorge Gonzalez und Judith Haase selbst.

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BAM Berlin, Foto: Thomas Meyer/Ostkreuz

 

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BAM Berlin, Foto: Thomas Meyer/Ostkreuz

 

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Bureau Borsche, Foto: Gerhardt Kellermann/Wagner Living

 

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BAM Berlin, Foto: Thomas Meyer/Ostkreuz