Biennale (VII): Interiors

Beim Rundgang durch die Giardini in Venedig öffnete man gespannt, aber auch etwas ängstlich die Tür zum Spanischen Pavillon. Denn vor zwei Jahren fand sich dort ein wirres Sammelsurium zahlreicher Öko-Ideen, die das Gebäude bis unters Dach füllten – eine gut gemeinte, aber weder verständliche noch ästhetisch befriedigende Ausstellung.

Welch ein Unterschied dieses Jahr! Der diesjährige Kurator Iñaki Ábalos von Ábalos + Sentkiewicz Arquitectos hat alles richtig gemacht: Man steht in weiten, hellen, lichtdurchfluteten Räumen. Rem Koolhaas’ Thema für die Länderpavillons „Absorbing Modernity“ ist ganz wörtlich umgesetzt in Licht, Luft, Sonne, das Urthema der Moderne. Wie ist das gelungen? Gezeigt wird eine kleine Auswahl großartiger zeitgenössischer Innenräume auf wandgroßen Fotos. Die Bilder setzen sich in Decke und Boden fort, so dass man das Gefühl bekommt, direkt in diese Räume hineinzusehen. Das pseudobarocke Pavillongebäude von Javier De Luque (1922) ist vergessen. Die Schau „Interior“ zeigt Architektur, nicht abstrakte Ideen oder Geschichte, sondern einige der besten Architekturbeispiele, die Europa derzeit zu bieten hat. Neben den großen Fotos sind ebenso große konstruktive Schnittzeichnungen an die Wände gepinnt – auch hier zeigt sich die Moderne im Tragwerk. Zudem ergänzen kleinere Fotos daneben die Referenzen und Vorbilder der ausgewählten Projekte: Bilder von Gebäuden von Coderch, Oiza and Sota sowie Gaudí und Guastavino, die als Inspiration der heutigen Bauten dienten. Auf diese Weise wird klar und deutlich, wie lebendig die Moderne in Spanien heute ist.

Die Berichterstattung des Baumeisters von der Biennale wird unterstützt von FSB.

Fotos: Andrea Avezzù