Biennale (VI): Männerfreundschaften

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„Wir reden heute nicht über BER“, sagte Meinhard von Gerkan gleich zu Beginn der Veranstaltung „TXL vs. BER“ in Venedig. Der Hinweis war nötig, denn das Thema lag nahe – schon durch die durchaus interessante Besetzung des Podiums. Neben dem Chef von gmp saß da nämlich kein Geringerer als Hartmut Mehdorn. Und der soll ja nun die verfahrene Flughafenplanung retten. Ohne gmp.

Doch nicht nur das machte das Podium brisant. Mit dem heutigen Chef der BER-Planungsgesellschaft nämlich hatte sich von Gerkan noch vor kurzem über Anwälte bekriegt – damals war das Thema der Berliner Hauptbahnhof. Machte aber nichts. Denn nun saßen die beiden einträchtig nebeneinander und diskutierten miteinander – als Auftakt zu einer Schau, die die beiden gmp-Flughafen-Entwürfe Tegel und BER gegenüberstellt und einen Ausstellungsraum im Palazzo Bembo füllt.

Meinhard von Gerkan wollte zwar nicht über BER reden. Aber natürlich ging es letztlich um nichts anderes. Er sagte, BER sei für ihn abgeschlossen. Demonstrativ zeigte er einen Film über die menschenleeren Hallen und Stellen des BER, die nicht nach Baustelle aussahen. Er pries im Vergleich dazu das Konzept des Flughafens Tegel, ohne endlose Ladenpassagen.

Für TXL hatte sein Büro schon bei der Planung 1965 eine Erweiterung vorgesehen. Zu seinem großen Bedauern, wie ihm deutlich anzumerken war, war diese jedoch damals aus politischen Gründen gescheitert. Hätte die Politik anders entschieden, wäre der Hauptstadt das spätere Planungs-Tohuwabohu namens BER erspart geblieben – man hätte den neuen Flughafen nämlich gar nicht gebraucht. Ein dritter älterer Herr auf dem Podium, Robert Grosch, TXL-Chef bis 1993, bestätigte dies vehement.

Die anschließende, von Andreas Ruby moderierte Diskussion drehte sich dann vorwiegend um das Pro und Kontra des weltweit ausufernden Shoppings an Flughäfen. Und es ist tatsächlich beängstigend, wenn im nahen Osten Fluggäste bewusst zu früh an die Terminals verfrachtet werden, um stundenlang aus purer Langeweile einzukaufen.

Der vierte – junge – Mann in der Gesprächsrunde, Philipp Bouteiller von der Tegel Projekt GmbH, verkörperte dann übrigens die Zukunft Tegels: Unter seiner Leitung soll der (hoffentlich bald einstige) Flughafen in ein Forschungszentrum umgewandelt werden, ebenfalls von gmp geplant. Tegel abzureißen, ist glücklicherweise zu teuer. Und was wird aus den Landebahnen? Dazu hatte Hartmut Mehdorn einen Wunsch. Seine Vision ist es, dort in Zukunft die roten Teppiche für Staatsgäste auszurollen. Airforce One soll dort landen und Frau Merkel auf Barack Obama zugehen, um ihm die Hand zu schütteln.

Zum Schluss fragte Ruby das Podium noch nach den Lieblingsflughäfen. Man war sich einig: Tegel. Nur Mehdorn sagte leise BER, was aber im allgemeinen Gelächter unterging.

Die Berichterstattung des Baumeisters von der Biennale wird unterstützt von FSB.

Foto: Marcus Bredt