Mail aus Berlin (4)

Südkorea, Ukraine, Spanien, Frankreich, USA, Niederlade – zwar zählt J. Mayer H. und Partner mit seiner Anzahl von Mitarbeitern nicht zu den größten Büros, jedoch übertrifft die kulturelle Vielfalt innerhalb der Architekten wohl so einige andere. Ein Umstand, der eine intime Arbeitsdynamik hervorbringt in der Projekte rund um die Welt produziert werden. Doch was passiert zur Zeit im Büro? Während ich selbst meist mit Wettbewerben beschäftigt bin, tut sich bei den Kollegen einig anderes. Neben Ausstellungen, Vorträgen und einigen kleineren Projekten gelten im Moment wohl drei Projekte als Hauptzugpferde, welche sich ausnahmsweise allesamt in Deutschland befinden.

Am weitesten fortgeschritten ist das sogenannte „FOM Düsseldorf“: Ein neues Universitätsgebäude im Zentrum Düsseldorfs, das zukünftig etwa 1.400 Studenten neue Seminarräume und Hörsäle bieten soll sowie Büroflächen und eine Tiefgarage. Dominantestes Merkmal ist wohl die durch auskragende Balkone und horizontale, teils verbundene Bänder bestimmte Fassade, hinter der sich ein Stahlbeton-Skelettbau verbirgt. Durch Vor- und Rücksprünge in den Geschossplatten und die vertikale Verbindung durch schräg geführte Stützen ergibt sich ein dynamisches Erscheinungsbild, welches durch verschiedene Blickwinkel immer neue Facetten zeigt. Während im Büro noch eifrig an den letzten Punkten der Fassade getüftelt wird, bekommen wir ab und an Fotos des Rohbaus zu sehen, welche schon jetzt eine beeindruckende Struktur zeigen.

In geografische Nähe –am linken Rheinufer – liegt der Bauplatz des nächste Projekts, das „Rhein740“: Ein Wohn- und Ärzte-Hochhaus, welches durch seine Lage an den Rheinauen und seinem Ausblick über Düsseldorf eine Verbindung zwischen Stadt und Natur schafft. Trotz seiner Voluminösität strahlt das Gebäude durch seine Formgebung und spezielle Fassade eine gewisse Leichtigkeit aus, die dem Gebäude die typische Hochhaus-Silhouette nimmt. Als Fassadenkonzept wurden horizontale, wellenförmige Streifen am Gebäude platziert, die durch ihre Perforierung und parametrisierte Form bewusst den Grad der Privatheit steuern.

Für mich besonders spannend ist es, den Prozess der Entwicklung einer so komplexen Fassade selbst beobachten zu können. Von dem formalen Entwurf, über die spezielle Geometrie bis hin zu statischen und technischen Details ist es ein langer Weg zwischen digitalen Prozessen, 1:1-Modellen und sogar Windkanal-Tests, um ein solches System zu entwickeln und schlussendlich funktionstüchtig zu bekommen.

Neben der Fassade bietet das Gebäude auch diverse spannende Grundrisstypologien. Über den medizinischen Einheiten im Sockel befinden sich in den oberen Geschossen des Gebäudes hauptsächlich Wohneinheiten, die in eine Vielzahl verschiedener Typen ausgeformt wurden. In Größe und Offenheit variierend obliegt ihnen jedoch ein gemeinsames Konzept: Um einen zentralen Kern angeordnet richten sie sich mit Aufenthalts- und Außenräumen Richtung Süd, Ost und West, während Neben- und nachts genutzte Räume die Nordseite okkupieren. Die in den obersten Geschossen angeordneten Wohnungen bieten zudem noch eine beeindruckende Aussicht über Düsseldorf.

Nachdem J. Mayer H. 2014 einen Wettbewerb in Berlin für sich entscheiden konnte, kehrt das Büro mit „Volt Berlin“ als zweitem Projekt in die Stadt zurück. In einer Zeit in der Einkaufszentren oft als unangenehm empfunden werden, zielt Volt danach jenen Gebäudetypus architektonisch neu zu erfinden und durch eine Kombination aus Freizeitaktivitäten, Hotel und ausgewählte Läden ein neues völlig neues Erlebnis zu kreieren. In direkter Nähe zum Alexanderplatz situiert verfolgt das Gebäude das Konzept so zu wirken, als sei es ein aus verschieden großen Kuben zusammengesetztes Volumen, welches durch einen horizontalen Querschnitt geteilt ist. Jenem Feld könnte als strahlender Spannungsriss gar ein Bezug zur historischer Vergangenheit der Stadt Berlin unterstellt werden.

Neben Hotel und Geschäften werden an Ecken des Gebäudes zweigeschossige Zonen geschaffen, an denen einerseits eine stehende Surfwelle und andererseits ein Windkanal für Indoor-Skydiving platziert werden und als große Attraktion des Komplexes gelten. Zwei sehr spannend zu integrierende technische Systeme, die der noch am Anfang stehenden Planung wohl noch so einige Aufgaben stellen werden.

Nicht zu vergessen das jüngste große Ereignis im Büro: die Erscheinung der neuen Monographie „J. Mayer H. – Could, Should Would“.

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