Spontandates auf Augenhöhe

Zwei Jahre lag die Baulücke am Rudi-Hiers-Platz brach. Ein unansehnlicher Platz mitten in der Münchner Innenstadt nahe dem Stiglmaierplatz für den sich keiner interessierte weder die Anwohner noch die Stadt selbst.

Damit war Anfang des Sommers Schluss: Verantwortlich dafür waren die vier Architekturstudenten Leila, Nick, Maria und Sophie der TU München. Sie stellten sich im Zuge ihrer Abschlussarbeit die Frage: Was bewegt das moderne München? Die engagierten Studenten führten Gespräche mit Urmünchnern, Zugezogenen und Flüchtlingen. Es wurde schnell klar, was München fehlt: Begegnungsraum. Die bayrische Landeshauptstadt ist zwar die am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands, doch es wird nicht genügend kommuniziert. Fremde bleiben Fremde auf engstem Raum. Das aus dieser Erkenntnis resultierende Ziel der angehenden Architekten: Gegen die Anonymität angehen, für Kommunikation und Toleranz in ihrer Stadt kämpfen.

Es entstand das temporäre Projekt „Lückenfülle“: Die drei Monate andauernde Aktion füllte die 150 Quadratmeter große Freifläche und schloss damit gleichzeitig die Lücke zwischen den Menschen untereinander. Eine Art selbstlaufender Erlebnisraum, der Interessen und Gespräche hinter den dicken Mauern hervorholt. Von Anfang Juli an wurde das von recycelten Ziegelsteinen bedeckte und mit self-made Holzmobiliar ausgestattete Areal bespielt. Abend für Abend fanden Konzerte, kleine Ausstellungen und Diskussionsrunden statt; eine Tafel am Eingang zur Lücke informierte Nachbarn und Passanten über die bunt gemischte Veranstaltungsreihe. Jeder war willkommen, egal ob jung oder alt, Anlieger oder Tourist – ausgeschlossen wurde niemand.

Die ehrenamtliche Initiative gehört bald zwar der Vergangenheit an, auf dem Grundstück wird nun ein Wohnungsbauprojekt realisiert. Doch was wird die drei Monate Lückenfülle überdauern? Die ungezwungenen Begegnungen, das entspannte Miteinander werden in den Köpfen aller Beteiligter hängen bleiben und vielleicht findet sich schon bald eine neue Baulücke, die Suche nach neuen Zwischenräumen hat bereits begonnen. Der Diskurs über ungenutzte Freiflächen ist damit auf jeden Fall eröffnet.