Langweilige Kiste statt bunte Wichtelburg

Das Desaster konnte gerade noch verhindert werden. Die Stiftung Bauhaus hat sich entschieden und Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh hat die jungen Architekten Gonzales Hinz Zabala aus Barcelona mit dem Bau des Bauhaus Museums in Dessau beauftragt. Vorangegangen war ein Architektenwettbewerb mit einem fatalen Ergebnis.

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Die Jury mit so unterschiedlichen Protagonisten wie Wolfgang Lorch (Vorsitz) und Jürgen Mayer H. hatte sich nicht einigen können und hatte aus 831 eingereichten Entwürfen zwei erste Preise ausgewählt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die Katalanen entwarfen einen langen Riegel Mies’acher Prägung mit transparenter Fassade. Über dem durchlässigen Erdgeschoss schwebt, als Haus-im-Haus, eine Blackbox mit den frei kuratierbaren Ausstellungsflächen. Der 100 Meter lange Quader liegt einfach so an der Straße, ohne städtebauliche Gestaltkraft.

Das Büro Young & Ayata aus New York hatte ein kurioses buntes Ensemble für das Bauhaus Museum vorgeschlagen, für das rasch allerlei Metaphern zur Hand waren. Von umgedrehten Blumenvasen oder von Schlümpfen, Thermoskannensammlung oder Konferenz der Zipfelmützen war die Rede. Ein Bauspektakel wäre es wohl geworden, aber eine irgendwie geartete Beziehung des Entwurfs und seiner Architektursprache zu den Ideen und zum Geist des Bauhauses war nicht zu erkennen.

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Nun hatte die Museumsdirektorin Claudia Perren mit beiden Siegern zu verhandeln und zwischen der langweiligen Kiste aus Barcelona und der Wichtelburg aus New York zu entscheiden. Gutachter prüften die Entwürfe auf Bau- und Nutzungskosten und bestätigten eindeutig, was die Jury nicht sehen wollte, Fachleute aber schon beim ersten Blick gesehen hatten. Der komplexe New Yorker Entwurf mit einigen ungewöhnlichen konstruktiven Neuerungen und der bunten Glasmosaikfassade wäre mit dem verfügbaren Budget von 25 Millionen Euro nicht ansatzweise zu realisieren gewesen. So lief alles erwartungsgemäß auf den etwas drögen katalanischen Entwurf hinaus, der vor allem auch leichter und vielfältiger zu bespielen ist.

Großes Aufatmen bei den Verantwortlichen, namentlich bei der Direktorin. Claudia Perren wendete die Angelegenheit geschickt ins Positive: Man brauche keinen Bilbao-Effekt, denn der Star in Dessau sei das Bauhausgebäude selbst.

Der Stiftungsrat billigte die Entscheidung einstimmig. Zu hoffen ist, dass bei der weiteren Bearbeitung noch etwas Esprit in den Entwurf einfließt – und nicht den unvermeidlichen Einsparrunden wieder zum Opfer fällt. Baubeginn des mitten im Zentrum Dessaus platzierten Museums soll der 4. Dezember 2016 sein, der 90. Geburtstag des Bauhauses in Dessau, die Eröffnung ist für 2019 vorgesehen, wenn das Bauhaus am 12. April seine Gründung von 100 Jahren in Weimar feiert.

Visualisierungen: Gonzales Hinz Zabala