Barcelona, Park-Hotel

Übernachten in einem Klassiker: 
Das sechs­geschossige Gebäude in Barcelona wurde 1953 fertig gestellt und zählt zu den bedeutendsten Werken der spanischen Moderne.

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Zu Beginn der fünfziger Jahre, zu der Zeit als Antonio Moragas den Auftrag für ein Hotel an einer der Prachtstraßen Barcelonas erhielt, wurden in ganz Spanien die Weichen neu gestellt. Es gab einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch. Das Land war in den vierziger Jahren isoliert gewesen und hatte sich in architektonischen Fantasien eines monumental-archaischen Neo-Escorial gespiegelt – nun öffnete es sich allmählich.

Von dieser Tendenz profitierten vor allem die Barceloneser Künstler und Architekten. Moragas konnte das Park-Hotel an der Avenida de l’Argentera bauen, direkt gegenüber der Estación Francia. Die Nähe des eleganten Hotels zum monumentalen Gründerzeit-Bahnhof, wo die Reisenden aus Frankreich ankamen, unterstrich die Politik der behutsamen Öffnung.

Doch das Park-Hotel steht auch für einen weiteren Wandel: Es war ein architektonisches Gründungsmanifest der sich im August 1951 formierenden Avantgarde-Bewegung „Grup R“ , die den jäh durch Bürgerkrieg unterbrochenen Aufbruch der Gruppe GATCPAC aus den 1930er Jahren fortsetzen wollte.

Antonio Moragas, ab 1951 Leiter des Colegio de Arquitectos COAC, wurde zudem dadurch bekannt, dass er später Konferenzen mit Alvar Aalto, Nikolaus Pevsner und Gio Ponti organisierte. Beim Park-Hotel legte er Wert auf eine nach außen sichtbare Konstruktion: Das sechsstöckige Gebäude steht auf einem äußerst schmalen Grundstück zwischen zwei Parallelstraßen.

Moragas gelang es aber, ein Gegengewicht zur Enge zu entwickeln, indem er die feingliedrig gestalteten Balkone weit über die Straße auskragen ließ. Die Lasten werden von Rundpfeilern aufgefangen, die die Straßenfassade klar akzentuieren – ihre Gliederung verrät deutlich den Einfluss der europäischen Moderne. Die Fensterbänder werden in den unteren Geschossen ums Eck geführt, und mit seinen unregelmäßig verlaufenden Gebäudekanten gewinnt der Hotelbau, von der Seite betrachtet, an Dynamik.

Für die Gestaltung der schlauchförmigen Bar, die seitlich dem Vestibül angegliedert wurde, verwendete Moragas Materialien, die bereits zum Repertoire der GATCPAC-Architekten gehört hatten: Hotel- und Cafeteria-Entree sind einheitlich durch ein Band aus Glasbausteinen verbunden, während der Sockelbereich der Bar durch eine umlaufende Glasfront und Azulejos betont wird. Die Räume wirken erstaunlich offen, die Trennung zwischen innen und außen scheint geradezu aufgehoben.

Die Stiftung Docomomo Ibérico zählte das Park-Hotel 2012 zu den bedeutendsten Werken moderner spanischer Architektur. Es wird sogar zu den ikonischen Bauwerken gerechnet. Bereits 1991 wurde das denkmalgeschützte Haus von Moragas’ Sohn Antoni de Moragas Spa und Irene Sánchez behutsam restauriert.

Zu den Kuriosa der Restaurierung gehört die Verlegung der Küche vom ersten Geschoss ins Parterre, was selbstverständlich den modernen Küchenbetrieb erleichterte. Jetzt steht die ehemalige Küche den Gästen als Hotelzimmer offen. Doch das verrät der Hotelchef erst nach einem vertieften Gespräch. Man mag es kaum glauben, denn die Restaurierung hat jede Spur der einstigen Nutzung getilgt. Das ist schade. Offenbar vertraute man lieber dem gänzlich neuen Design, einer verspiegelten Wandfläche mit Vogelmotiven.

Adresse

Park-Hotel
Avenida Marquès de l’Argentera 11
08003 Barcelona, Spanien
Tel. +34 933 196 000, Fax.+34 933 196 601
www.parkhotelbarcelona.com