15.03.2019

Event

Kahn spricht – Ausstellung bei Schnitzer&

von Mark Kammerbauer


Kahn spricht für sich selbst

Louis I. Kahn spricht, immer noch, Jahrzehnte nach seinem Ableben. Natürlich nicht in Person, aber durch sein Werk und dessen aussergewöhnliche architektonische Qualität. Im Ausstellungsraum von Schnitzer& in der Münchener Lindwurmstraße ist nun das Raummodell von Kahns Institute of Management im Indischen Ahmedabad ausgestellt, vor dem Hintergrund eines wandfüllenden Kompendiums an Kahnschen Grundrissen. Modell und Pläne zeigen Kahns architektonisches Ordnungsverständnis, das Modell hat zudem die Anmutung einer kleinen Stadt. Verantwortlich für die Ausstellung zeichnen Studierende der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Hannelore Deubzer, Ordinaria des Lehrstuhls für Raumkunst und Lichtgestaltung, sowie des Oberassistenten Rudolf M. Graf.

Zur Ausstellungseröffnung sprachen der Galerist Martin Schnitzer sowie Hannelore Deubzer. Rudi (so kennen und nennen ihn Freunde, Kollegen und Studierende) Graf wollte zunächst gar nicht viel sagen – Kahn spreche ja schliesslich für sich selbst. Graf klärte das Publikum schliesslich doch auf, warum denn dieser Lehrstuhl seit zwanzig Jahren Studierende Raummodelle Kahnscher Projekte im Massstab 1:33 1/3 aus MDF bauen lässt. Zum einen geht die Tradition der Raummodelle auf Deubzers Vorgänger als Lehrstuhlinhaber zurück, Friedrich Kurrent. Der Massstab wird als geeignet empfunden, räumlich-architektonische Sachverhalte so darzustellen, dass die Betrachter zumindest einen wesentlichen Eindruck der (realisierten) entwerferischen Intention vermittelt bekommen.

Alle Projekte als Modell


Louis I. Kahn in der Architekturlehre

Hier setzt auch Graf an: Während einer USA-Exkursion des Lehrstuhls im Jahr 1998 (an deren Organisation der Verfasser dieser Zeilen als studentische Hilfskraft nicht unmassgeblich beteiligt gewesen war) wurde Graf beim Besuch diverser Kahnscher Architekturen deren besondere räumliche, handwerkliche, ästhetische und nicht zuletzt poetische Qualität klar. Dies müsse man in der Lehre auch den Studierenden begreifbar machen. Damit war auch die Begründung dafür gefunden, die studentische modellbezogene Auseinandersetzung mit dem Werk von Louis I. Kahn im Rahmen des Fachs “Raumtheorie” anzuregen. Und so wurden in den letzten 20 Jahren fast alle gebauten und viele nicht gebaute Projekte von Kahn als Modelle angefertigt.


Ausstellungsinformationen

Zudem sei Kahn in Grafs Studium “in den 70er Jahren” kein Thema gewesen. Dieses Defizit zu beheben haben Deubzer und Graf zu einem zentralen und exemplarischen Fixpunkt ihrer Architekturlehre gemacht. Ein Beispiel dieser in ihrer Kontinuität im akademischen Betrieb ungewöhnlichen, wenn nicht gar einzigartigen Auseinandersetzung mit dem Werk eines herausragenden Architekten ist nun im Ausstellungsraum von Schnitzer& zu sehen.

Die Ausstellung läuft bis zum 4. April, und Besucher können Montags bis Donnerstags von 9 bis 17 Uhr und Freitags von 9 bis 15 Uhr besuchen. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Vortrag von Rainer Wetzels zum Thema sowie die Vorführung des Films “My Architect – A Son’s Journey”.

 

Bilder der Ausstellung von Martin Schnitzer

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