Auer + Weber holen Bond nach Bayern

Wenn man hört, dass Auer + Weber für die europäische Südsternwarte ESO bauen, drängt sich sofort eine filmische Assoziation auf: jene nach James Bond. Das Büro hatte nämlich schon einmal für die ESO gebaut – einen flachen, quadratischen Bau in der chilenischen Atacama-Wüste. Das hausgewordene Chamäleon aus rostrotem Sichtbeton war im Bond-Film „Ein Quantum Trost“ Schauplatz einer beeindruckenden Explosion. Es hat sich, im Wortsinne, eingebrannt. Nun haben Auer + Weber wieder für die Europäische Südsternwarte gebaut, wenn auch nicht in einer auf 2600 Metern Höhe liegenden, extraterrestrisch wirkenden Wüste, sondern in Garching bei München. Dort geht es weniger filmisch zu.

Garching ist so etwas wie das Silicon Valley Oberbayerns. Nicht nur die Technische Universität München hat ihren High Tech-Campus dorthin ausgelagert. Über 50 Forschungseinrichtungen und forschungsnahe Unternehmen haben sich auf dem weitläufigen Gelände angesiedelt. Und nun wurde eben die Erweiterung des ESO-Verwaltungsgebäudes fertig gestellt.

Das bestehende Gebäude ist eine Komposition aus Kreissegmenten, die sich auf Split-Leveln verschneiden. Der markante Bau am Rande des Forschungsgeländes und in Mitten eines Naturschutzgebietes machte seine Architekten Fehlinger und Gogel seinerzeit über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Irgendwie logisch also, dass Auer + Weber hier, auf der grünen Wiese am Rande des Waldes, einen ganz anderen Entwurfsansatz verfolgten als in der Wüste. Die Erweiterung lehnt sich an das Kreisraster von Fehling und Gogel an: Das dreiteilige Bürogebäude und die Anliefer- und Montagehalle schmiegen sich mit ihrer konkaven Form an den Bestand an und bilden einen weichen, organischen Übergang zur angrenzenden Garchinger Wald- und Wiesenlandschaft.

Der Neubau, der über eine dreigliedrige Brücke mit dem Bestand verbunden ist, wurde aufgebockt, so dass alle Aussichten ins Grüne münden und die Autos ebenerdig unter dem Gebäude parken können. Die anthrazitfarbene Fassade schuppt sich um die runde Gebäudeform und spiegelt die umliegende Parklandschaft in Fragmenten. Konstruktiv funktioniert das Ganze über eine komplexe, abgehangene Schottenbauweise – eigentlich ein veraltetes System für eine Büronutzung. Aber die ESO wollte es so. In Garching werden die Daten, die in Chile mithilfe des Riesenteleskops gewonnen werden, ausgewertet. Hier findet wahre Forschung von echten Köpfen statt, und die brauchen nun einmal Platz. Von modernen Großraumbüros will man bei der ESO in Garching nichts wissen. Also planten Auer + Weber kleine Zellenbüros, eine High Tech-Kartause mit großzügigen und attraktiven Meetingzonen dazwischen.

Den ESO-Nerds gefällt es offensichtlich. Schon wenige Wochen nach Fertigstellung sind alle Büros bezogen. Die Mitarbeiter machen es sich gemütlich. Die Festverglasungen, durch die der innenliegende Korridor belichtet werden soll, sind blickdicht beklebt. An den Wänden hängen Bilder, Poster, Tafeln und Mindmaps. Man fühlt sich offenbar wohl – sogar Musikinstrumente finden sich in den Denkzellen der Weltraumwissenschaftler. Innerhalb des außenliegenden Bürozellen-Rings wurden jeweils eine Versammlungshalle und ein Auditorium als zweigeschossige, rechteckige Bauteile eingeschoben. Die dabei entstandenen Kreissegmente bilden einen über alle Geschosse reichenden Lichthof. Einen Bond kann man hier vielleicht nicht drehen, aber für einen Tatort dürfte es reichen.

Fotos: Roland Halbe