10.07.2020

Portrait

Arctic Nordic Alpine

von Oliver G. Hamm

Pavillon in Norwegen zur Beobachtung von wilden Rentieren (Foto: © Ketil Jacobsen)

Die Zeitschrift “Architektur & Wohnen” kürte Snøhetta zum Architekt des Jahres 2020. Aus diesem Anlass zeigt das Aedes Architekturforum in Berlin noch bis zum 20. August 2020 die Ausstellung Arctic Nordic Alpine, die sich zeitgenössischer Architektur in gefährdeten Naturlandschaften widmet. Ausgestellt sind wegweisende Projekte des Architektur- und Design-Büros Snøhetta. Warum Sie beim Besuch keinesfalls Ihr Smartphone daheim lassen sollten, erfahren Sie hier.

Pavillon in Norwegen zur Beobachtung von wilden Rentieren (Foto: © Ketil Jacobsen)
Unterwasser-Restaurant in Norwegen (Foto: © Ivar Kvaal)
Das Hotel Svart, das Snøhetta in Norwegen am Fuss des Svartisen Gletschers plant, soll „energy positive“ sein. (Visualisierung: © Snøhetta and Plompmozes)

Smartphones sind Pflicht

Sie begannen als Kollektiv aus Architekten und Landschaftsarchitekten in Oslo und feierten früh einen spektakulären Erfolg beim Wettbewerb für die Bibliothek von Alexandria in Ägypten (1989). In 30 Jahren realisierten sie zahlreiche weitere aufsehenerregende Bauwerke, etwa die Nationaloper in Oslo, den National September 11 Memorial Museum Pavilion in New York und den Erweiterungsbau des San Francisco Museum of Modern Art. Heute ist Snøhetta mit rund 260 Mitarbeitern an sechs Standorten weltweit bekannt als Büro für „soziales Design“ mit einem „nordischen Verständnis“ (Selbstdefinition des Büros).

Das interdisziplinäre Team wurde soeben von der Zeitschrift Architektur & Wohnen mit dem Titel „Architekt des Jahres 2020“ ausgezeichnet – und wird aus diesem Anlass derzeit mit einer Ausstellung im Aedes Architekturforum in Berlin gewürdigt. Die von Snøhetta selbst konzipierte Schau ist zweigeteilt. Im ersten Galerieraum verdichten sich zahlreiche Projektzeichnungen auf langen abgehängten Bahnen zu einer weißen Landschaft, in der man – wie in einem arktischen Sturm – schon mal den Überblick verlieren kann.

Im anschließenden „white cube“ werden dann alpine, nordische und arktische Landschaften und die für diese besonderen Orte von Snøhetta entworfenen Gebäude präsentiert: mittels Fotos, Visualisierungen und großen hölzernen Landschaftsmodellen, aber auch mittels eines über Eck projizierten dualen Films, der auch einige betont städtische Bauten integriert, die in diesem Kontext deplatziert wirken. Leider geizt die Ausstellung mit Informationen, die zum Teil nur über QR-Codes zu erschließen sind (Pech hat, wer sein Smartphone nicht dabei hat). Auch der Aedes-Katalog kommt diesmal vergleichsweise spärlich daher. Mehr Tiefgang bei den Projektdarstellungen hätten der Ausstellung und auch dem Katalog sicher gut getan.

„Snøhetta. Arctic Nordic Alpine. In Dialogue with Landscape“, Aedes Architekturforum, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin, bis 20. August (Di–Fr 11–18.30 Uhr, So–Mo 13–17 Uhr). Katalog 10 Euro

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